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Merhaba Köln!

Bild der 43. Woche - 25. Oktober bis 31. Oktober 2021

Heinz Held, Türkische Gastarbeiter an der Weidengasse 1971/1980,  Museum Ludwig, Köln, © Museum Ludwig, Köln, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_d036913

Vor etwas mehr als 60 Jahren schlossen die Bonner Bundesregierung und die Türkei ein bilaterales Anwerbeabkommen, um den Bedarf an Arbeiter*innen im damaligen deutschen Wirtschaftsboom zu decken und die hohe türkische Arbeitslosenquote durch Arbeitskräfteexport zu entlasten. Dies war der Katalysator der deutsch-türkischen Migrationsgeschichte.

Zu Beginn war die Idee simpel und pragmatisch: Nach einem Rotationsprinzip sollten die türkischen Arbeitnehmer*innen für zwei Jahre in Deutschland tätig sein und im Anschluss mit dem gelernten Know-how in der Heimat eingesetzt werden. Für viele junge Türk*innen war es die einzige Chance auf Arbeit, um die Familien zu unterstützen. Andere sahen darin ihre Gelegenheit auf Abenteuer und ein würdiges Leben außerhalb der Türkei. Die zum Teil entblößenden Tauglichkeitsprüfungen, die Unterbringung in Baracken mit kleinen Mehrbettzimmern, die Konfrontation mit der fremden Kultur und dem eigenen Heimweh, wurden dafür in Kauf genommen.

Gekommen, um nicht zu bleiben

In dem ersten Entwurf des Abkommens war der Familiennachzug untersagt. Die damalige deutsche Regierung wollte eine Einwanderung von Ausländer*innen durch die Dauerbeschäftigung verhindern. Es waren »Gastarbeiter« wie die türkischen Arbeitskräfte in Deutschland genannt wurden und damit auch ihr sozialer Status markiert. Niemand dachte daran, dass die Türk*innen blieben.

Dies änderte sich, als die DDR durch den Mauerbau die innerdeutsche Zuwanderung erschwerte. Unter anderem die Industrieverbände sahen keinen Sinn darin, alle zwei Jahre Arbeitskräfte neu anzulernen, weshalb eine aktualisierte Version des Abkommens 1964 die Befristung aufhob und auch die Familien nach Westdeutschland einreisen konnten. Ab da wuchs die Anzahl an türkischen Migrant*innen schnell an. Es entstand zunehmend religiöse und kulturelle Infrastruktur und türkisches Leben wurde in den Städten sichtbar.

Türkisches Leben in Köln

Der Fotograf Heinz Held, der als Köln Kenner und fotografischer Biograf gilt, hat in diesem schwarz-weiß Foto einer alltäglichen Straßenszene laut Bildunterschrift türkische »Gastarbeiter« abgelichtet. Zu sehen sind dunkelhaarige Männer in Anzügen, die mit dem Rücken zum Fotografen in das Schaufenster eines Goldgeschäftes in der Kölner Weidengasse blicken. Die Gruppe hebt sich durch das Tragen der zweiteiligen Anzüge optisch von der Szene ab und Held wird sie damals als »anders« wahrgenommen und für sich als Türken identifiziert haben.
Die Zuwanderung aus der Türkei prägt bis heute das Kölner Stadtbild, seine Geschäftskultur, die Vielfalt an Gotteshäusern und Restaurants. So ist das Anwerbekommen vom 31.10.1961 auch Teil der Kölner Stadtgeschichte.

A. Borggrefe