Kunst am Bau

Bild der 29. Woche - 19. Juli bis 25. Juli 2021

Harald Naegeli, Totentanz (memento mori) an der Westfassade von St. Cäcilien Köln, 1980, erneuert durch den Künstler 1989, Aufnahme von 2010. Bildnachweis: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Heute gilt Harald Naegeli (geb. 1939) als Pionier der Street Art und Wegbereiter von Größen wie Banksy und ROA. Das sah mal anders aus – bekannt und berüchtigt als »Sprayer von Zürich«, wurde er in den 1970er Jahren von den Ordnungshütern gejagt. Die in Nacht- und Nebelaktionen an triste Fassaden seiner Heimatstadt gesprühten Werke waren für viele keine Kunst, sondern Sachbeschädigung. Einer Haftstrafe entging der Sprayer nur durch die Flucht ins Rheinland.

Harald Naegeli in Köln

Harald Naegeli kam Anfang der 1980er Jahre nach Köln. Die Begegnung von Künstler und Stadt war für beide ereignisreich. Harald Naegeli reagierte auf die Stadt, indem er sie künstlerisch interpretierte. Die Stadt reagierte sowohl mit unterstützender Anerkennung als auch mit Gegenwehr auf die Interventionen des Künstlers.

Was erwartete den verfolgten Harald Naegeli in der Domstadt? Bei nächtlichen Streifzügen traf er auf Sichtbeton-Bauten der Nachkriegsmoderne. Der Anblick der Bauten entsetzte ihn und forderte ihn zugleich zu „zauberhafter Poesie“ in Tiefgaragen, auf Brückenpfeilern, Hauswänden, Treppen und Mauern heraus. Doch zugleich entdeckte er das mittelalterliche Köln und ließ sich vornehmlich von den romanischen Kirchen zu besonderen Kunstwerken auf Stein inspirieren. Seine Kunst war dabei weder käuflich noch genehmigt und das hatte unterschiedliche Folgen.Als Protest gegen die bürgerliche Malerei und den Kunstbetrieb hinterlässt er allein in Köln hunderte anarchischer Spraybilder von Skeletten und Todessymbolen. Die meisten verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind.

„Totentanz" am Museum Schnütgen

Der »Totentanz« (1980) an der Westfassade von St. Cäcilien, dem größten Ausstellungsraum des Museum Schnütgen, überlebte und steht heute gar unter Denkmalschutz. Nun widmet sich die Kunsthistorikerin Erchen Wang im Rahmen eines vom Land NRW geförderten Forschungsprojekts Naegelis Werk zu Vergänglichkeit und Tod, die zugleich auch die großen Themen des Mittelalters sind.Verbunden damit und in Vorbereitung der Ausstellung »Harald Naegeli in Köln« (ab März 2022) sucht das Museum Schnütgen Zeitzeugen, die sich an Naegelis Kölner Sprayaktionen erinnern und diese in Fotos festgehalten haben.

Kontakt: museum.schnuetgen@stadt-koeln.de 

R. Müller