Im Sommer 1813 trägt Frau Streifen

Bild der 32. Woche - 9. August bis 15. August 2021

Rheinisches Bildarchiv Köln, Sommerkleid, Deutschland, 1813/1814, Kölnisches Stadtmuseum, Köln, Inv.-Nr. T 670.

Die Sommermode des Jahres 1813 ist von Streifen geprägt. Auch damals findet man die neusten Trends bereits in Modejournalen wie der deutschen Zeitschrift „Journal des Luxus und der Moden“. Aber nicht nur Streifen, die man auch schon gerne in der Zeit des Rokkoko im 18. Jahrhundert trug, kamen wieder in Mode, auch das Korsett fand sich wieder unter den Kleidern der Frauen in Deutschland am Anfang des 19. Jahrhunderts. Im Märzheft des „Journal des Luxus und der Moden“ beschreibt man die Rückkehr des Schnürleibs kritisch: „Die schöne Zeit, wo die Damen ihre Gestalt nicht durch Schnürleiber entstellen, ist nun wieder vorüber, und man sieht jetzt schon recht viele Damen, welche die von der Natur erhaltene Leichtigkeit und Anmuth durch Einschnüren verbergen und entstellen.“

Dies war nicht nur eine Laune der Mode, sondern vielmehr ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Veränderungen und der Not während der napoleonischen Kriege. Bereits 1812 scheiterte Napoleon im Russlandfeldzug. Die Befreiungskriege und die im Oktober 1813 stattfindende Völkerschlacht bei Leipzig brachte den endgültigen Sieg der Verbündeten Österreich, Preußen, Russland und Schweden über Napoleon. Mit mehr als 90.000 Toten und Verwundeten war sie eine der blutigsten Schlachten der europäischen Geschichte.
Nach dem Sturz Napoleons versammelten sich die europäischen Staaten 1814 bis 1815 in Wien, um Europa auf dem Wiener Kongress neu zu ordnen.

Die Kriege gegen Napoleon waren kostspielig und die Bevölkerung musste in vielen Bereichen, aber auch bei der Mode sparen.
Das Sommerkleid aus dem Jahr 1813 spiegelt diese modische Entwicklung des Jahrzehnts wider. Die aufgesetzten Streifen unterstützen das faltenarme Kleid, denn ein faltenarmes Kleid mit sehr geringer Rockweite und einem knapp bemessenen Saum braucht weniger Stoff und war somit kostengünstiger.
In den nächsten Jahren setzte sich zudem die Idee durch, dass ein Kleid erst dann schön und modisch sei, wenn der Rock keine Falten mehr habe.
An diesem Kleid befindet sich am unteren Teil eine gepolsterte Wulst, die das Kleid noch faltenfreier und glatter fallen lässt. Die Taille sitzt sehr hoch. Das sonst sehr schlichte Kleid ist am unteren Teil des Rocks mit Bändern und Spitzen in Form von Girlanden verziert. Auch die Ärmel fallen ins Auge, da sie besonders stark gepufft sind. Blickt man auf das Dekolleté, sieht man zunächst einen V-Ausschnitt. Bei genauerer Betrachtung, fällt auf, dass er durch einen Einsatz geschlossen wurde. Das hochgeschlossene Dekolleté war bereits ein Hinweis auf die aufkommende Zeit des Biedermeiers. Eine Zeit, die durch den Rückzug ins Private und den Wunsch nach einer kleinbürgerlichen-familiären Idylle geprägt war. Somit waren die kommenden Jahre des Biedermeiers ein radikaler Wandel zu der Freizügigkeit der Mode des Empires des frühen 19. Jahrhunderts.

Yvonne Katzy