Ein letzter Urlaubsgruß

Bild der 33. Woche - 16. August bis 22. August 2021

Rottmann, Carl, Cefalù, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln, Inv.-Nr. WRM 1107, Köln; Bild: Rheinisches Bildarchiv Köln

Allmählich enden die großen Ferien 2021 und die Urlaubserinnerungen der Sommerreisen wurden auf dem Smartphone fotografisch festgehalten. Die landschaftlichen Besonderheiten des neuen, fremden Ortes und die dortige Stimmung einzufangen ist den Reisenden schon oft ein großes Bedürfnis gewesen. So war lange die einzige Möglichkeit, den eigenen, subjektiven Eindruck einer Landschaft die Malerei. Wie das Beispiel hier aus Sizilien.

Des Königs neue Wände

Blicken wir doch einmal auf das Motiv: Dominiert wird das Gemälde vom Burgberg Rocca de Cefalù, der an der Spitze der Nordküste Siziliens thront. Zu seinen Füßen liegt die kleine Gemeinde Cefalù, die von einer hellen Stadtmauer umzäunt ist. Die zwei Türme der Kathedrale Santissimo Salvatore ragen über den Dächern hervor. Die Stadt liegt zugleich direkt am Mittelmeer, dem Tyrrhenischen Meer. In der Tiefe des Horizonts, auf dem Blau des Meeres sind weitere Inseln auszumachen. Während die Sonne die Ortschaft Cefalù in ihr Licht taucht, erkennt man im Vordergrund einen Wald, auf den der große Schatten einer Wolke fällt. Kaum zu erkennen ist eine Person, die am Waldrand zu rasten scheint.
Der Maler dieser spannenden Licht- und Perspektiveffekte ist Carl Rottmann (1797-1850). Der gebürtige Heidelberger findet Zugang zur Zeichenkunst durch seinen Vater, der an der Universität Heidelberg lehrt. Schon bald entdeckt Carl Rottmann die Landschaftsmalerei für sich und beginnt an der Mosel erste Werke für sein Repertoire zu erschaffen. 1821 zieht es ihn nach München an die Akademie, durch die ihm Studienreisen in die Voralpen ermöglicht wurden. Große Landschaften und Naturgebilde sind die Motive, die ihn reizen. Es folgt die erste Italienreise, die er eigenes finanzierte, ihn jedoch auch durch an seinen ersten öffentlichen Auftrag des bayrischen Königs Ludwig I. führte. Das finale Probestück „Palermo“ schien dem König zu gefallen, denn es folgte ein Großauftrag, der Rottmanns Karriere veränderte: Ein „Italien-Zyklus“ mit über 20 Bildern sollte er für Ludwig I. malen, die nach Fertigstellung 1834 als Fresken die Münchener Hofgartenarkaden zierten.

Der Durchbruch: Bilder aus Griechenland

Sein Hauptwerk folgte kurz danach: Durch die Ernennung seines Sohnes Otto zum ersten Königs Griechenlands, sollte die Verbindung zwischen der bayrischen Herrschaft Ludwig I. und der neuen Verbundenheit zur „Hellas“ auch in der Architektur Münchens repräsentiert werden. Rottmann wurde erneut beauftragt malte 23 große Landschaften aus Griechenland. Diese zogen jedoch in die Neue Pinakothek statt an die Innenwände der Münchener Gebäude.
Rottmann wurde nach seinen aufwendigen, aber auch sehr beeindruckenden Arbeiten zum bayrischen Hofmaler erklärt. Seine romantisch-mystischen Eindrücke Südeuropas sind noch heute überwältigender als die Schnapsschüsse unsereins.

A. Borggrefe