Handwerk im römischen Flottenlager

Bild der 34. Woche - 23. August bis 29. August 2021

Römische Werkzeuge aus dem Flottenlager Köln-Alteburg, RBA, Foto: Anja Wegner.

Soldaten der römischen Armee waren nicht nur im Kriegshandwerk ausgebildet, sondern oft auch in einem zivilen Handwerk. Wer sich etwa als Schmied, Zimmermann oder Schuster nützlich machen konnte, galt als immunes. Damit war man von den unangenehmen Aufgaben der einfachen Soldaten befreit wie etwa dem Leeren der Latrinen. Handwerker waren nützlich für die Armee. Sie stellten Zelte, Sättel, Gürtel, Waffen und Ausrüstung aller Art her oder reparierten sie. Damit waren die Einheiten nicht nur auf Feldzügen, sondern auch im festen Lager weitestgehend unabhängig.


In der Nähe des römischen Köln war vom 1. bis zum 3. Jahrhundert die Rheinflotte, die classis Germania, stationiert – im heutigen Köln-Marienburg. Auch wenn vom Lager und seinen Gebäuden aus Stein heute oberirdisch nichts mehr zu sehen ist, kam dem Standort in römischer Zeit große Bedeutung zu, denn die Flotte sicherte die Rheingrenze. Dieser „Nasse Limes“ zählt seit 2021 zum UNESCO-Weltkulturerbe und mit ihm auch das Flottenlager. Hier kamen bei Ausgrabungen neben vielem anderen auch immer wieder Werkzeuge ans Licht. Besonders reich waren die Funde an Werkzeugen aus Eisen, von denen eine Auswahl hier zu sehen ist.


Die Äxte, der Hammer, der Spaten und die Säge mit ihrem über 50 cm langen Blatt sind leicht zu entdecken – ihre Form hat sich bis heute fast unverändert gehalten. Anscheinend war das Design schon in der Antike ausgereift und konnte kaum verbessert werden. Interessant sind die Reste des hölzernen Schaftes bei der kleinen Axt. An solchen Funden lässt sich erkennen, wie die Römer Werkzeugkopf und -stiel miteinander verbanden.


Das halbmondförmige Gerät am unteren Bildrand ist heute nicht mehr so oft anzutreffen: es handelt sich um einen Torf- oder Rasensodenstecher. Rasensoden nutzten römische Soldaten, um im Feld schnell einen Lagerwall errichten zu können, in den oben Schanzpfähle gesteckt wurden. Oder sie schichteten die Soden zu einem erhöhten Tribunal, auf dem der Feldherr zu ihnen sprach.


Der kleine Gegenstand darüber war wohl ein Messer. Zwischen der spitzen Klinge und dem Ring am Ende muss man einen Griff aus Holz oder Knochen ergänzen, der nicht erhalten ist. Solche Messer kamen unter anderem bei der Lederbearbeitung zum Einsatz. Ein weiteres, sichelförmig gebogenes Messer ist rechts zwischen den Äxten zu sehen. Seine genaue Funktion ist unklar, vielleicht kam es in der Landwirtschaft zum Einsatz. An im festgebacken sind kleine Eisennägel, die die Schuhsohlen vor Abnutzung schützten. Solche Schuhnägel finden sich oft im militärischen Kontext; sie machten die Schuhe haltbarer und fester.

K. Jaschke