Die Neueröffnung des Theater im Vringsveedel 1977 – heutiges Odeon

Bild der 40. Woche - 4. Oktober bis 10. Oktober 2021

Theater im Vringsveedel, Plakat: "Die Kölsche Geisha. Ein Volksstück mit Trude Herr" zur Neueröffnung am 8.9.1977, Köln, 1977.09, Kölnisches Stadtmuseum, Köln; Bildnachweis: Rheinisches Bildarchiv Köln

Die Hausnummer 81 auf der Severinstraße ist seit mehr als 100 Jahren ein kultureller Mittelpunkt der Südstadt. Von der Stummfilmzeit mit den Rhenania-Lichtspielen bis zum heutigen ODEON, ist dieser Ort Zeuge lebendiger Kinogeschichte. Unvergessen sind auch die Jahre, in denen das kölschen Original Trude Herr hier ihre Theaterkunst präsentierte.

Am 24. September 1920 eröffnete in der Südstadt ein neues Kino, die Rhenania-Lichtspiele, mit 500 Plätzen. Zahlreiche Besucher*innen kamen zur feierlichen Eröffnung, um die Filme “Romeo und Julia im Schnee” und “Graf Sylvains Rache” zu sehen. Kapellmeister Eugen Warwas spielte den Krönungsmarsch. Die Fachzeitung „Der Kinematograph“ sprach von einem Kino, das „... sich dem erstklassigen Theater unserer Vaterstadt ebenbürtig zur Seite stellen kann.“

Von den Trümmern zum Kinoboom

1943 wurden die Rhenania Lichtspiele durch einen Bombenangriff zerstört. Es folgte ein Versuch des Wiederaufbaus, doch noch der Rohbau wurde erneut von Bomben getroffen.

Dann kamen die 50er Jahre, die auch für Köln eine Zeit des Kinobooms waren. „Das filmfreudige Köln“ heißt eine damalige Überschrift im Kölner Stadt-Anzeiger. Der Bedarf nach Ablenkung durch Freizeit und Kultur war in diesen Nachkriegsjahren groß. In nur sechs Jahren, zwischen 1950 und 1956, wurden in Köln 30 Kinos (wieder-)eröffnet. Dazu gehörte auch das Rhenania Kino, das 1956 durch einen der beiden ehemaligen Betreiber, Laurenz Abels, wiederaufgebaut wurde. Entworfen hatte der Neubau der Düsseldorfer Architekt Hanns Rüttgers. Ein Bericht der Zeitschrift „Neuer Film“ erlaubt uns einen Blick auf das damalige Gebäude und Saal: „Bemerkenswert ferner die mit reicher Neonbeleuchtung ausgestattete Fassade des Rhenania, deren plastische und farbliche Gestaltung zur Verschönerung des Straßenbildes beiträgt.“. Innen war der Saal geprägt von einer zitronengelben Wandbespannung und Sitzen mit rostroten Cord Bezug, einer Holzverkleidung und mehrarmigen Leuchten an den Wänden. Für die Eröffnung stand der Film “Der Hauptmann von Köpenick” von Helmut Kräutern mit Heinz Rühmann auf dem Programm, der in ganz Deutschland ein großer Erfolg war. Die Kinokrise der 1960er Jahre erfasste auch das Rhenania, das 1975 schließen musste.

Theater im Vringsveedel - Trude Herr-Theater

1977 begann eine neue Phase: die Schauspielerin und Sängerin Trude Herr übernahm den Saal und erweckte ihn wieder zum Leben, nun aber nicht mit Filmen sondern mit von ihr selbst geschriebenen Theaterstücken. Im Theater im Vringsveedel, vielen bekannt unter dem Namen Trude Herr-Theater, wurden Stücke wie „Die kölsche Geisha“ oder „Scheidung auf Kölsch“ aufgeführt, die perfekt den kölschen Geist wiederspiegelten und Publikumsrenner wurden. 1986 musste das Theater dann trotz allem wegen mangelnder Zuschüsse schließen.
Eine Gedenktafel am Gebäude erinnert auch heute noch an Trude Herr und ihr Volkstheater.

Das einzige Kino in der Südstadt

Den Namen „ODEON“, der heute in großen Buchstaben über dem Eingang des Kinos prangt, erhielt das Kino 1987 bei seiner Wiedereröffnung, als es von den damaligen Betreibern des Broadway und des Off-Broadway übernommen wurde. Als 1994 die Betreiber erneut wechselten, gingen die Kinos an die Arthaus-Tochter der „Kinowelt-Medien AG“, deren Säle jedoch 2001 auf Grunde einer schweren Krise des Unternehmens schließen mussten. Trotz einer Unterschriftenaktion mit 25.000 Tausend Unterschriften konnte auch das Odeon nicht gerettet werden. Erst durch eine Sofortmaßnahme der Filmstiftung NRW und der Gründung der ODEON-Lichtspieltheater GmbH, konnte es drei Monate später, nach einer kompletten Renovierung, wieder eröffnen. Der reguläre Spielbetrieb lief passend mit der Premiere von Wim Wenders BAP-Film 'Viel passiert' an, da dieser Film auch in der Kölner Südstadt angesiedelt ist.
Heute ist das Odeon mit seinen zwei Sälen das einzige Kino in der Südstadt, und bereichert darüber hinaus das Filmangebot mit einem abwechslungsreichen Arthausprogramm und Sonderveranstaltungen. Während des Lockdowns im Februar 2021 startete das Team eine Verlosungsaktion: „Kino für Zwei“. Teilnehmer*innen sendeten Statements ein, die Botschaft der Gewinner*innen wurde im Leuchtkasten präsentiert. Die glücklichen Zwei erlebten die private Vorführung eines Filmes ihrer Wahl.

C. Thielemann, Köln im Film e.V.