Vor 125 Jahren! – Vorführung der ersten Köln-Filme

Bild der 20. Woche - 17. Mai bis 23. Mai 2021

Am Dom 3.5.1896, Charles Moisson, Institut Lumière

Zu Pfingsten, am 23. Mai 1896 durfte das Kölner Publikum die ersten Filmaufnahmen aus der eigenen Stadt sehen: „Am Kölner Dom nach dem Hauptgottesdienst“, „Feierabend in einer Kölner Fabrik“ (die Stollwerck-Fabrik in der Kölner Südstadt) sowie die „Ankunft des Eisenbahnzuges“ am Kölner Hauptbahnhof.

Mit der Vorführung der ersten „Lebenden Photographien” aus Köln warb der Stadt-Anzeiger am 23. Mai 1896 in einer Annonce der Deutschen-Automatengesellschaft Stollwerk & Co für ein ganz besonderes Ereignis: Es waren die ersten Filmaufnahmen aus Köln.

Bereits einen Monat zuvor, am 20. April 1896, hatte die erste öffentliche Kinovorführung der deutschen Filmgeschichte vor einem zahlenden Publikum stattgefunden – eine Sensation. In einem Haus am Augustinerplatz 12 (heute Hohe Pforte), in dem die Deutsche Automaten Gesellschaft (DAG), ein Tochterunternehmen der Firma Gebrüder Stollwerck, einen Saal angemietet hatte, wurden zwölf kurze Filme aus Frankreich präsentiert. Für einen Eintrittspreis von 50 Pfennig konnten die Kölner erstmals die neue Erfindung der „lebenden Bilder“ bestaunen. Zu Pfingsten, am 23. Mai 1896 und in den folgenden zwei Monaten, hatte das Kölner Publikum dann Gelegenheit, mehrmals täglich Bilder aus der eigenen Stadt zu sehen: Der Lumière-Operateur Charles Moisson bediente nicht nur den Vorführapparat, er hatte auch vor Ort gedreht: Straßenszenen und Alltagsszenen, vor der Kirche und am Bahnsteig.

„Am Kölner Dom nach dem Hauptgottesdienst“

Der Film „Am Kölner Dom nach dem Hauptgottesdienst“ (Originaltitel: Sortie de la cathédrale) zeigt eine Einstellung vor dem Dom: zu sehen sind Kirchgänger, die nach der Sonntagsmesse aus dem Haupteingang strömen und über den windigen Domvorplatz laufen. Einige gut gekleidete Herren stellen die Krägen ihrer Anzüge hoch und halten ihre Hüte mit den Händen fest. Bei manchen Damen bauschen sich die weiten langen Röcke im Wind. Einige Passanten entdecken die Kamera und schauen neugierig hinein. Plötzlich ragt ein Spazierstock ins Bild und macht deutlich: schon in diesen ersten Filmaufnahmen führte jemand „Regie“ und lenkt die Schaulustigen an der Kamera vorbei.

„Ankunft des Eisenbahnzuges“

Die „Ankunft des Eisenbahnzuges“ (Originaltitel: Arrivée de l’express) war eines der ersten Remakes der Filmgeschichte: die Operateure der Brüder Lumière hatten bereits eine ähnliche Szene in Frankreich aufgenommen, die bei der ersten Vorführung aufgrund der schnellen Bewegung für große Furore gesorgt hatte. In Köln taucht die Dampflokomotive zwischen den Türmen der damaligen Eisenbahnbrücke auf, rollt über die geschwungenen Gleise in den Hauptbahnhof ein – direkt auf die Kamera zu – und kommt nach einem kurzen Ruck zum Stehen. Die Coupétüren öffnen sich, Reisende steigen aus und auch unter den Wartenden auf dem Bahnsteig entsteht Bewegung.

„Feierabend einer Kölner Fabrik“

Auch der „Feierabend einer Kölner Fabrik“ hatte bereits einen Vorläufer: in Lyon hatten die Lumière-Brüder die herausströmenden Arbeiter vor den Toren ihrer eigenen Werkstätten aufgenommen. In Köln wählte Charles Moisson die gleiche Szene vor den Toren der Schokoladenfabrik Stollwerck in der Südstadt aus. Kein Zufall, war es doch Ludwig Stollwerck, der sowohl den Kameramann als auch den neuartigen Apparat an den Rhein geholt hatte und bezahlte. Leider existiert diese Aufnahme nicht mehr.

Köln war damit nicht nur Schauplatz einer der ersten Filmaufnahmen in der Geschichte der deutschen Kinematographie und der ersten öffentlichen Filmvorführung vor zahlendem Publikum, sondern hier entstand auch der erste „Werbefilm“ für die Firma Stollwerk.

Zu sehen sind die ersten Filmaufnahmen aus Köln sowie weitere Informationen zur frühen Filmgeschichte auf der Website von „Köln im Film e.V.": www.koeln-im-film.de/filmgeschichte/die-ersten-filmaufnahmen

S. Wüster-Bludau, Köln im Film e.V