Ein Wasserfall für Köln!

Bild der 09. Woche - 1. März bis 7. März 2021

Jaekel, Josef, Wasserfall/ Wasserspeier, Köln; Bildnachweis: Rheinisches Bildarchiv Köln, Schlier, Britta, 03.06.2014

Über 60 Jahre ist sie nun her – die Bundesgartenschau im Kölner Rheinpark. Die Domstadt erhielt damals im Jahr 1957 als vierte Stadt überhaupt den Zuschlag für eine dieser besonderen Gartenschauen. Neben Millionen von wild wachsenden Wurzeln und bunt blühenden Blumen präsentierte die rechtsrheinische Uferpromenade in Köln-Deutz die Gartenarchitektur der 1950er Jahre. Selbstverständlich durfte da eine prächtige Wasseranlage nicht fehlen – die Rolle des Wassers im Garten war schließlich seit dem Alten Ägypten geklärt!

Flach statt hoch strahlend

Die Lage des Rheinparks stellte eine besondere Herausforderung für die Leitung der Bundesgartenschau dar, die bereits im Ortsnamen seine Erwähnung findet: Der Rhein. Als großer natürlicher Strom begrenzt er noch heute die Westseite des Parks. Seiner Strahlkraft auf das Auengebiet unterwarf sich die Leitung und verzichtete auf weitere natürliche Wasserflächen. Stattdessen sollten künstliche Fontänen und Wasserspiele entstehen, die menschlichen Kunsteinfluss erkennen ließen. Solche Anlagen die gestalterische Leichtigkeit ausstrahlten und das Wasser möglichst flach ausstießen, wurden favorisiert. Denn die vorherrschenden dynamischen Windverhältnisse im Rheinpark verhinderten hohe Fontänen – außer am Flamingoteich, gelegen in geschützter Nachbarschaft zum Staatenhaus. Achten Sie einmal darauf beim nächsten Spaziergang!

Neben dem Flamingoteich entstanden der Tanzbrunnen, die Wasserterrassen, der Trinkgarten und der Brunnenhof, allesamt entfernt von „Vater Rhein“. Einzig der Wassergarten erstreckt sich weiter in das Parkgelände und ist mit seinem künstlichen Wasserfall noch heute ein Anziehungspunkt für die täglichen Besucher*innen.

„Wie eine Wand aus Glas“

Der Wasserfall ist eine Konstruktion des Kölner Metallbildhauers Josef Jaekel, dessen Skulpturen und Werke sich nicht nur in Köln, sondern auch in Düsseldorf und Hamburg befinden. Das Wasser entspringt aus einer Travertinplatte an der Westseite des ehemaligen Parkcafés. Ein besonderes Highlight sind die sieben künstlerisch gestalteten, schnabelartigen Düsen: „Wie eine Wand aus Glas“ beschrieb der begeisterte Gartenbau-Journalist Karl-Heinz Hanisch einst die aus den Düsen sprudelnd herabfallenden Wassermengen. Nach kurzer Verweildauer im Auffangbecken unterquert das Wasser schließlich die Fußgängerbrücke, von wo Besucher*innen einen eindrucksvollen Blick auf das Wasserspektakel bekommen. Diesen hat Britta Schlier vom Rheinischen Bildarchiv Köln eindrucksvoll eingefangen. Anschließend läuft das Wasser über mehrere Gefällestufen in eine größere Beckenanlage. Die Konstruktion von Jaekel offenbart typische Spielarten der Wasserführung der 1950er Gartenarchitektur. Dazu zählen die kräftigen Wasserstrahlen in Schräglage und das Ablaufen über unregelmäßig gestaltete Stufen.

In der Nachkriegszeit galten die Parks der Bundesgartenschau als Bestandteil des Wiederaufbaus in Deutschland. An diese Erwartungen knüpften die spannenden Strukturelemente, die Details im Gartenbereich und die Architektur der Gebäude im Rheinpark an und machen ein jedes Durchqueren des ehemaligen BUGA-Geländes auch mehr als 60 Jahre danach zu einem Erlebnis und einer kleinen Zeitreise.

L. Jacobs