Kriegsweihnachten 1914

Bild der 51. Woche - 21. Dezember bis 27. Dezember 2020

Weihnachten im Felde (1915), Fotopostkarte, 1915, Kölnisches Stadtmuseum, Inv.-Nr. G 29590 /Rheinisches Bildarchiv Köln.

„An Weihnachten sind wir wieder zu Hause!“ So versprachen es die Soldaten ihren Angehörigen und vermutlich auch sich selbst, als sie im August 1914 siegessicher und voller Enthusiasmus in den Krieg zogen. Ein Irrtum – denn schon im Herbst 1914 zeichnete sich an der Westfront ein langwieriger Stellungskampf ab. Die Hoffnungen auf einen raschen Frieden und damit auf ein Weihnachtsfest im Kreise der Familie schwanden.

Kurzzeitig wurden aus Feinden Freunde: Feindliche Soldaten verbrüderten sich und ließen für wenige Stunden die Waffen ruhen, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Der sogenannte „Weihnachtsfrieden“ hat bis heute Symbolkraft und ist Teil des kollektiven Gedächtnisses. Der weihnachtliche Frieden hielt jedoch nicht lange, denn kurze Zeit später wurde wieder aufeinander geschossen. Der Waffenstillstand zu Heilig Abend blieb einmalig, denn in den Folgejahren wusste die Generalität eine solche Wehkraftzersetzung zu unterbinden.

Um den Soldaten das Weihnachtsfest etwas erträglicher zu machen, aber auch zur moralischen Unterstützung, wurden die Kölnerinnen und Kölner zu Spenden aufgerufen. Die Spendenbereitschaft der Kölner zu Weihnachten war überwältigend, denn in den Sammelstellen des Roten Kreuzes am Klingelpütz und am Elogiusplatz stapelten sich die „Liebesgaben“. Von dort aus wurden sie per Eisenbahn zu den Soldaten an die Westfront transportiert, darunter Wolldecken, Zigaretten, Kaffee, Musikinstrumente und Liköre. Am 15. Dezember 1914 verließ um 13.09 Uhr unter großem Beifall der offizielle „Weihnachtszug“ der Stadt Köln den Central Güter-Bahnhof Gereon in Richtung Westfront. Er war vor allem mit Geschenkpaketen, allem was vor Kälte und Nässe schütze sowie 2.000 Weihnachtsbäumen beladen.

Die Fotopostkarte aus der Sammlung des Kölnischen Stadtmuseums zeigt das Weihnachten an der Front im Jahr 1915. Wer nicht verwundet im Lazarett lag, verbrachte den Abend mit den Kameraden in Deckung – immer umgeben von der Hoffnung, das nächste Weihnachten wieder mit der Familie verbringen zu können. Mehr als neun Millionen Soldaten kehrten aus dem grausamen Krieg nicht wieder nach Hause zurück.

A. Krätz