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D´r Zoch kütt … hinger d´r Britz!

Bild der 07. Woche - 15. Februar bis 21. Februar 2021

Rosenmontagszug 2021: Hinger d´r Britz, Köln, 2021, Foto: Kölnisches Stadtmuseum G 33335-1, Costa Belibasakis

Das hat es in der fast 200-jährigen Geschichte des Kölner Karnevals noch nicht gegeben: Der Rosenmontagszug 2021 fand trotz Corona-Pandemie statt – gespielt durch das Hänneschen Theater! Kamelle hinger d´r Britz – für nicht Kölner*innen: Hinter der Bretterwand. Damit ist die Abtrennung vor der Bühne des Stockpuppentheaters gemeint, womit die Puppenspieler*innen vor den Augen des Publikums verborgen bleiben.

Die alt-ehrwürdigen Puppenspiele der Stadt Köln retteten also den Zoch – denn der war seit dem 18. September 2020 eigentlich offiziell abgesagt. Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn trat sichtlich erblasst in der Düsseldorfer Staatskanzlei vor die Presse und verkündete, dass der gesamte Straßenkarneval, aber auch Bälle und Sitzungen, aufgrund des anhaltenden Pandemiegeschehens ausfallen müssten. Für die Kölner*innen war die Absage eines Rosenmontagszugs gar nicht so neu. Gerade im 19. Jahrhundert führten Streitigkeiten und Geldmangel im »Festordnenden Comité« immer einmal wieder zu einem Ausfall. Dafür fanden in anderen Jahren gar zwei konkurrierende Rosenmontagszüge in Köln statt. Auch das Wetter spielte in manchen Jahren nicht mit, auch wenn der »Sturmzug« 1990 ebenso durchgeführt werden konnte wie der Rosenmontagszug 2016. Im Unterschied zu den übrigen rheinischen Karnevalshochburgen. In Kriegszeiten ruhte der Karneval ebenso wie beim Tod von König Friedrich Wilhelm IV. Und auch 1991 fiel zwar der offizielle Karnevalszug aus, die Kölner*innen gingen dennoch auf die Straße. »Trotzdem Alaaf« hieß es. Eine Demonstration der Kölner Jecken gegen den Golfkrieg.

Das Jahr 2021 stellte dennoch eine Zäsur da. Denn eine Krankheit hatte es bisher noch nie geschafft, den Höhepunkt des Straßenkarnevals zu bedrängen. Ein Blick in die historischen Quellen zeigt, dass selbst Pest, Cholera oder Spanische Grippe nicht dazu in der Lage waren. Doch die globale Corona-Pandemie hatte unsere Welt verändert.

In normalen Zeiten wären die Kölner*innen in dieser Jahreszeit in fieberhaftem Arbeitseifer gewesen. Kostüme wären gekauft, gebastelt, geschneidert worden. Die Vorfreunde auf ausgelassene Feiern, eng gedrängt mit Tausenden anderen Jecken, hätte kein Maß gekannt. Aber es waren keine normalen Zeiten.

In diese Zeit passte es vielmehr wunderbar, wenn im Rosenmontagszug eben keine Menschen zu finden waren, sondern die Stockpuppen aus dem Hänneschen-Theater. Kölscher hätte es nicht sein können: Der urkölnische Held Hänneschen, schon 1825 Teil des Rosenmontagszuges, rettete den Zug 2021!

Das Foto aus der Sammlung des Kölnischen Stadtmuseums hält diesen historischen und hoffentlich einmaligen Augenblick im Februar 2021 fest, in dem die Puppenspieler*innen in der Wagenbauhalle des Festkomitees Kölner Karneval den Rosenmontagszug en miniature und Corona-konform für die TV-Produktion des WDR einspielen. Die Wagenbauer haben die geplanten Motivwagen maßstabsgerecht in die Knollendorfer Verhältnisse übertragen.

Auf diese Weise waren 16 Motivwagen mit lokalen, nationalen und internationalen Themen entstanden. Dabei hatte der kleine Zug alles, was das Original so einzigartig macht: die Blauen Funken an der Spitze, Tanzgruppen und Kapellen – ja sogar Kamelle wurden geworfen – und zum großen Finale: das Kölner Dreigestirn! Insgesamt 177 Puppen waren im Einsatz! Und auch der Zugweg, von der Severinsstraße bis zum Rathaus, wurde nachgebildet. Da fällt einem direkt der Titel eines älteren Hänneschen-Buches ein: Mieh Hätz wie Holz!

Ph. Hoffmann