Blitz & Donner

Bild der 41. Woche - 12. Oktober bis 18. Oktober 2020

James Lind, Donnerhäuschen, 2. Hälfte des 18. Jh., Kölnisches Stadtmuseum (Foto: RBA Köln, Rico Burgmann)

Blitz und Donner galten lange als Botschaft göttlicher Mächte, die den Menschen ihren Groll und vernichtendes Feuer zur Erde schickten. Allerlei Vorkehrungen – geweihte Wetterkerzen, Blitzamulette und Fürbitten – sollten das Schlimmste verhindern: »Oh, heiliger Sankt Florian, schütz unser Haus, zünd andere an.« Dabei hatte Benjamin Franklin (1706 – 1790) – Erfinder, Naturforscher und Mitverfasser der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung – längst bewiesen, dass Gewitter in Wahrheit elektrische Entladungen sind und damit ganz rational erklärbar. In spektakulären Versuchen soll Franklin die Elektrizität des Blitzes mithilfe eines Drachens eingefangen und erste Experimente mit Blitzableitern gestartet haben.

Dieses Donnerhäuschen aus dem Physikalischen Kabinett des ehemaligen, von Jesuiten geleiteten Kölner Gymnasiums Tricoronatum führte im späten 18. Jahrhundert wissbegierigen Schülern en miniatur die Wirkungsweise eines Blitzableiters vor Augen: Der elektrostatisch erzeugte Blitz schlägt in die Messingkugel am Schornstein ein und gelangt über einen Draht an der hölzernen Außenwand zum Boden. Wird die Erdung gekappt, lässt die Energie des Funkens ein Holzklötzchen über der Haustür – symbolisch für einen Blitzschaden – aus der Verankerung springen. Das Klötzchen selbst hat so manchen Versuch überstanden, nicht aber die Jahrhunderte. Es gilt als verschollen. Das Donnerhäuschen befindet sich heute als Dauerleihgabe des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds in der Sammlung des Kölnischen Stadtmuseums.

R. Müller