Metropolen der Welt: Moskau

Bild der 43. Woche - 26. Oktober bis 1. November 2020

Wassily Kandinsky, Moskau, Zubowski-Platz III, ca. 1916, Museum Ludwig Köln (Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln)

Viel passiert im Leben des Wassily Kandinsky (1866 – 1944). Hat der russische Grafiker und Künstler doch gerade gemeinsam mit Franz Marc in Deutschland Furore gemacht. »Der Blaue Reiter« nennt sich ihre Bewegung, und Kandinskys Malerei – erst noch nah an der Natur – wird deutlich abstrakter. Farben und Formen sollen sich vom Gegenstand befreien.

Mit Gabriele Münter, seiner ehemaligen Schülerin und Lebenspartnerin, bereist er die Metropolen Europas und Tunis, lehrt, malt, organisiert Ausstellungen und entwirft 1912 für die Kölner Parfümfabrik Farina, die älteste heute noch bestehende Duftmanufaktur der Welt, einen Flakon, der schon zehn Jahre vor Gründung des Bauhauses dessen Formen vor wegnimmt. Kandinskys Lebensplan gerät jedoch aus den Fugen – angesichts der Kriegserklärung Deutschlands an Russland am 1. August 1914 flüchtet er in die Schweiz und schließlich nach Moskau. In seinem eigenen Mietshaus mit Blick auf den Zubowski-Platz bezieht er eine großzügige Wohnung im Dachgeschoss, wo auch die russische Avantgarde – darunter die Künstler Kasimir Malewitsch und Alexander Rodtschenko – ein- und ausgeht.

Erst langsam besinnt er sich wieder auf die Malerei und auf das, was er sieht. Kandinsky schreibt der nach Stockholm emigrierten Münter, von der er sich wenig später trennt: »Ich arbeite viel. Ich mache die ganze Zeit Landschaften von meinen Fenstern aus: bei Sonne, in der Nacht, bei bedecktem Himmel. Ich finde das unterhaltsam und (…) studiere die verschiedenen Farbharmonien. Und wann immer ich denke, ich sollte vielleicht aus dem Haus gehen, fühle ich mich richtig schlecht.« Nicht ganz unbegründet, denn da draußen braut sich einiges zusammen: 1917 wird Kandinsky während der Oktoberrevolution enteignet, um sein nicht unbeträchtliches Vermögen wie auch um seine Immobilie am Zubowski-Platz gebracht.

R. Müller