Ein Mops namens Trump

Bild der 44. Woche - 2. November bis 8. November 2020

William Hogarth, Selbstbildnis mit Mops Trump, nach 1749, Kupferstich, 40,3 x 30,8 cm, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Graphische Sammlung, Inv. Nr. 2007/2

Vor rund 290 Jahren kam in England ein Mops zur Welt, der in die Kunstgeschichte eingehen sollte. Sein Name war Trump, sein Herrchen eine Berühmtheit, nämlich niemand Geringeres als William Hogarth (1697–1764), den bis heute jedes Kind in England kennt. Der Maler und Graphiker wurde mit seinen gestochenen „modern moral subjects“ bekannt – modernen Lebensbildern, mit denen er scharf und bissig das London seiner Zeit in seinen Gefahren, Ausschweifungen und Verlockungen beschrieb und mit bisweilen anarchischem Humor kommentierte.

Weniger bekannt dagegen ist, dass Hogarth ein ausgesprochener Hundenarr war. Er besaß verschiedene Möpse. Dabei wurde ihm sein Mops Trump (dt. Trumpf) offenbar zu einem besonders engen Begleiter. Denn Trump fand Eingang in mehrere Werke des Meisters. Den prominentesten Platz gestand der Künstler ihm in einem programmatischen Selbstporträt zu. Hogarth zeigt sich hier bei der Arbeit mit schlichter Malerkappe und lässt Trump zwischen Büchern und einer Palette posieren, die mit der Schlangenlinie auf Hogarths Kunstästhetik (The Analysis of Beauty, 1753) vorausweist, der zufolge sich die Schönheit der Natur in der Variation dieser Linie findet.

Der Mops blickt ziemlich mürrisch und zugleich nachdenklich drein, vor allem aber wenig tierisch. Kein Wunder, denn gerne spiegelte Hogarth seinen eigenen Gesichtsausdruck in dem seines Hundes, dem er sich offenbar seelenverwandt fühlte.

Noch nach Trumps Tod griff Hogarth auf das Bildnis seines Hundes zurück, als er einen erbitterten Streit mit dem Geistlichen Charles Churchill führte, der Hogarth Stichfolge Zeiten verunglimpft hatte. Der Stich Der Boxer, oder Charles Churchill als Bär von 1763 zeigt, wie Hogarths geliebter Trump Churchills Schmähgedicht mit Pfoten tritt. Der Mops wird hier zum Alter ego seines Herrchens, dessen Streitlust und Eigensinn nicht unwesentlich zu seiner Bekanntheit beitrugen.

Dr. Anne Buschhoff