Einer von Sechzehn

Bild der 33. Woche - 17. August bis 23. August 2020

Luohan, Serie: Die sechzehn Luohan, China, Qing-Dynastie (1644-1912), nach 1764, Steinabreibungen in Zinnoberrot nach Steinschnitten der Qing-Dynastie auf Papier, Museum für Ostasiatische Kunst Köln (Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln)

Der neunte Luohan (Skt.: Arhat, Jap.: Rakan) gehört zu einer tradierten Gruppe von sechzehn oder achtzehn Buddhaschülern, die sich in China großer Beliebtheit erfreuten. Ein Luohan entspricht dem buddhistischen Ideal eines asketischen Selbstverwirklichers. Die großformatige Steinabreibung zeigt ihn als einen von Askese und Alter gezeichneten Mönch. Mit leicht gekrümmten Rücken sitzt er, eine Gebetskette haltend, im Meditationssitz unter einem knorrigen Baum auf einer einfachen Grasmatte. Auffällig buschige Augenbrauen, ein merkwürdig geformter Schädel, die große Nase und übergroßen Hände, Bartstoppeln, Ohrschmuck sowie die vor ihm stehenden Zehensandalen verweisen auf seine indische Herkunft und die großen Entbehrungen, die er auf dem Weg zur Erleuchtung auf sich genommen hat.

Eine Vision mit Folgen

Die groteske Darstellung hat für den heutigen Betrachter eine fast karikaturistische Anmutung. Nicht immer werden die indischen Buddhaschüler in China exzentrisch abgebildet. Die exzentrische Maltradition, geht auf den Chan-(jap. Zen-)buddhistischen Maler- und Dichtermönch Guanxiu (832-912) zurück. Die Luohan sollen den Künstler in einer Traumvision wegen seiner besonderen künstlerischen Begabung selbst um ihre bildliche Darstellung gebeten haben.

Eine Guanxiu zugeschriebene Luohan-Serie befindet sich heute nur noch in der Kunstsammlung des japanischen Kaiserhauses in Tokyo. Die hier in Zinnoberrot ausgeführte Steinabreibung basiert auf einem anderen Werk des Guanxiu, die sich im 18. Jahrhundert im Besitz des Klosters Heyingsi in Hangzhou befand. Auf einer Reise in die südlichen Provinzen, war der kunstsinnige Kaiser Qianlong (reg. 1736-1796), bei einem Klosterbesuch im Jahr 1764 von den Bildrollen so tief beeindruckt, dass er den Auftrag erteilte, die Malereien der Buddhaschüler in Stein schneiden zu lassen und von ihm verfasste Bildaufschriften hinzuzufügen. Von den Steinschnitten konnten Steinabreibungen – eine Art Prägedruck – angefertigt werden. Diese werden üblicherweise in schwarzer Tusche ausgeführt. Die seit den siebziger Jahren im Besitz des Museums für Ostasiatische Kunst befindliche Serie der Sechzehn Luohan in Zinnoberrot ist besonders kostbar.

Luohan-Bilder in Köln

Die gemalten Originale des aus dem Kloster Heyingsi sind heute nicht mehr erhalten, die Nachschnitte in Stein aus dem achtzehnten Jahrhundert befinden sich mittlerweile in der Sammlung des Provinzmuseums von Zhejiang in Hangzhou. Wer den ausdrucksstarken Luohan und die Darstellungen zehn weiterer Buddhaschüler genauer betrachten möchte, sollte die aktuelle Ausstellung „Kunst auf Lager - Faszinierende Entdeckungen aus dem Depot" im Museum für Ostasiatische Kunst nicht verpassen!

C. Stegmann-Rennert