Interkultureller Austausch

Bild der 39. Woche - 28. September bis 4. Oktober 2020

Opfergestell mit weiblicher Ahnenfigur luli, Luhuleli, Leti, Ostindonesien, 19. Jahrhundert, Rautenstrauch-Joest-Museum Köln (Foto: Rheinisches Bildarchiv / Wolfgang Meier)

Jedes Jahr gegen Ende September findet die bundesweite Interkulturelle Woche statt und das schon seit 1975. Zu diesem Anlass gibt es inzwischen in 500 Städten und Gemeinden in Deutschland Aktionen und Veranstaltung rund um Themen wie Migration, Vielfaltsgesellschaft, Integration und Teilhabe. Das diesjährige Motto der Woche lautet „ZUSAMMEN LEBEN, ZUSAMMEN WACHSEN“. Die Interkulturelle Woche bietet einen guten Anlass, um mal wieder einen Blick auf ein beliebtes Objekt aus dem Rautenstrauch-Joest-Museum zu werfen. Denn nicht umsonst trägt das Museum den Zusatz „Kulturen der Welt“ im Namen und lädt das ganze Jahr über dazu ein, verschiedene Kulturen näher kennenzulernen. Während der Interkulturellen Woche finden verschiedenen Workshops, Performances und Lesungen im Rautenstrauch-Joest-Museum statt.

Einzigartiges Opfergestell von Leti

Bei dem abgebildeten Werk handelt es sich um einen einzigartigen Opferaltar mit weiblicher Figur von der Ostindonesischen Insel Leti. Auf Leti spielt in Abstammungsfragen die mütterliche, also die weibliche Linie die zentrale Rolle. So besagt zum Beispiel ein lokaler Mythos, dass das Menschengeschlecht nach der Vereinigung der Urmutter mit einem Fremden entstanden ist, der eines Tages auf Leti landete. Auch dieser Opferaltar zeigt eine der weiblichen Ahnenfiguren des Dorfes Luhuleli. Sie ist die Urmutter einer der dort ansässigen Verwandtschaftsgruppen und wird mit prächtigen Schmuckstücken abgebildet. Vieles an ihrer Darstellung spricht für einen adligen Status, sie hat eine sehr aufrechte Haltung, einen extravaganten Kopfschmuck und einen Brustschmuck in Bootsform. Häufig ist ein Hahn abgebildet, dessen Gefieder einen goldenen Schimmer hat und daher für Reichtum steht. Außerdem symbolisiert die fein gezeichnete Jugendlichkeit der Urmutter die Fruchtbarkeit des Kosmos und ihres Geschlechtes. Unterstrichen wird das unter anderem durch die jungen Pflanzentriebe auf ihrer Brust.

Der verworrene Weg ins Museum

Das Opfergestell selbst ist circa einen Meter hoch, aus Holz gefertigt und stammt aus dem 19. Jahrhundert. Vermutlich hatte der Altar einen prominenten Platz in der Mitte des Dorfes, sodass Nachkommen der Gründerin Opfer darbringen konnten. Im Jahre 1924 fand der Altar seinen Weg in das Rautenstrauch-Joest-Museum. Zuvor hatte der Ethnologe Wilhelm Müller zahlreiche Objekte von den ostindonesischen Inseln seiner Sammlung einverleibt. Das Thema wie ethnologische Objekte in westliche Museen kamen, ist auch Fokus der neuen Ausstellung im Rautenstrauch-Joest-Museum. In der Ausstellung „Die Schatten der Dinge #1“ werden Fragen untersucht wie: Welche Bedeutung haben Museumsobjekte für die heutige Gesellschaft ihres Ursprungsortes? Welche Geschichten verbergen sie, von wo, wann und über wen? Wie sind sie nach Köln gekommen? Zu wem gehören sie eigentlich und warum kehren einige wieder zurück?

E. Butt