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Einzigartiges Opfergestell von Leti

Bild der 39. Woche - 28. September bis 4. Oktober 2020

Opfergestell mit weiblicher Ahnenfigur luli, Luhuleli, Leti, Ostindonesien, 19. Jahrhundert, Rautenstrauch-Joest-Museum Köln, Foto: Rheinisches Bildarchiv, Wolfgang Meier

Bei dem abgebildeten Werk handelt es sich um einen einzigartigen Opferaltar mit weiblicher Figur von der Ostindonesischen Insel Leti. Auf Leti spielt in Abstammungsfragen die mütterliche, also die weibliche Linie die zentrale Rolle. So besagt zum Beispiel ein lokaler Mythos, dass das Menschengeschlecht nach der Vereinigung der Urmutter mit einem Fremden entstanden ist, der eines Tages auf Leti landete. Auch dieser Opferaltar zeigt eine der weiblichen Ahnenfiguren des Dorfes Luhuleli. Sie ist die Urmutter einer der dort ansässigen Verwandtschaftsgruppen und wird mit prächtigen Schmuckstücken abgebildet. Vieles an ihrer Darstellung spricht für einen adligen Status, sie hat eine sehr aufrechte Haltung, einen extravaganten Kopfschmuck und einen Brustschmuck in Bootsform. Häufig ist ein Hahn abgebildet, dessen Gefieder einen goldenen Schimmer hat und daher für Reichtum steht. Außerdem symbolisiert die fein gezeichnete Jugendlichkeit der Urmutter die Fruchtbarkeit des Kosmos und ihres Geschlechtes. Unterstrichen wird das unter anderem durch die jungen Pflanzentriebe auf ihrer Brust.

Der verworrene Weg ins Museum

Das Opfergestell selbst ist circa ein Meter hoch, aus Holz gefertigt und stammt aus dem 19. Jahrhundert. Vermutlich hatte der Altar einen prominenten Platz in der Mitte des Dorfes, sodass Nachkommen der Gründerin Opfer darbringen konnten. Im Jahre 1924 fand der Altar seinen Weg in das Rautenstrauch-Joest-Museum. Zuvor hatte der Ethnologe Wilhelm Müller zahlreiche Objekte von den ostindonesischen Inseln seiner Sammlung einverleibt. 

E. Butt