Klassenkampf in Köln – die rote Fahne

Bild der 38. Woche - 21. September bis 27. September 2020

Rote Fahne der Demokratischen Gesellschaft, Köln, April 1848, rote Seide, schwarz bemalt, mit goldfarbenen Faden bestickt, umlaufende goldene Fransen, Kölnisches Stadtmuseum (Foto: Rheinisches Bildarchiv)

Klassenkampf im Museum! Es geht um Revolution. Genauer: Um die Revolution von 1848. Von Paris aus kommt diese ganz schnell nach Deutschland. Mit ihrem ersten Höhepunkt in Köln. Mitten im Karneval 1848. Zehntausende gehen auf die Straße. Gegen die Fürstenherrschaft. Und für Bürgerrechte und sozialen Fortschritt. Köln wird zum Epizentrum der Umwälzung. Überall wehen schwarz-rot-goldene Fahnen – denn unsere deutsche Flagge ist ein Symbol der Revolution.

Doch die bekommt bald Konkurrenz. Denn in Köln sind auch Karl Marx und Friedrich Engels aktiv. Kurz zuvor schreiben sie im Kommunistischen Manifest: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus“. Und die Farbe dieses Gespenstes ist: Rot.

Treffpunkt der bürgerlichen Opposition ist das Café Stollwerck in der Schildergasse. Hier tagt die „Demokratische Gesellschaft“. Vereinssymbol wird diese Rote Fahne. Auf dem blutroten Tuch liest man auch die Parole der Französischen Revolution: „Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit“. Auch die linken Revolutionäre sind allerdings Machos und überlassen das Besticken der Fahne lieber ihren Frauen.

Mitglieder der Demokratischen Gesellschaft sind in der Kölner Bürgerwehr vertreten. Rote Fahnen flattern in Köln. Etwa am 18. September bei einer Volksversammlung auf der Worringer Heide. Hier applaudieren 10.000 Anhänger der Linken einer Rede von Friedrich Engels.

Doch eine Woche später ist der Spuk vorbei. Revolutionäre errichten Barrikaden auf dem Alter Markt – vergeblich. Das Kölner Militär übernimmt die Herrschaft. Die Bürgerwehr wird aufgelöst. Einige Monate später muss auch Marx Köln verlassen. Alle revolutionären Symbole verschwinden aus der Öffentlichkeit. Schwarz-rot-goldene Flaggen kommen vorerst in die Mottenkisten.

So auch diese Fahne – die wohl älteste erhaltene Rote Fahne Deutschlands.

M. Kramp