Lange Samstag en d’r City

Bild der 24. Woche - 15. Juni bis 21. Juni 2020

Joachim Fessler, Köln, City: Kaufhalle, 1973, S/W-Papierabzug 18 x 24 cm, Kölnisches Stadtmuseum, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln.

In Zeiten des Corona-Virus sind in der Stadt weniger Menschen unterwegs, mit viel Abstand zueinander. Und das ist auch gut so! Das war einmal ganz anders – und wird wohl auch wieder anders werden. „Wenn et vorbei es“, wie die Bläck Fööss singen. Die haben 1977 einem Hit gelandet, den in Köln jede(r) kennt: „Lange Samstag en d’r City“. Wenn „Papp, Mamm un Titti“ Kurs auf die Innenstadt nehmen, dann stehen die Zeichen auf Kaufrausch, Eis und Currywoosch.

In der übervollen Kölner City fotografiert Joachim Fessler 1973, was ihm vor die Linse kommt: Kund*innen in Kaufhäusern, auf Rolltreppen, an Wühltischen, Straßenverkäufer*innen und Passant*innen. Und beflissene Kassierer*innen wie diese hier auf dem Foto. Sie zählt die DM-Scheine in der „Kaufhalle“ in der Hohe Straße. Heute befindet sich dort der Media-Markt.

Ein Ort mit Tradition: Die Hohe Straße führt durch das Herz der römischen Stadt. Im Mittelalter siedelt hier Handel und Handwerk. Im 19. Jahrhundert wird sie zur Straße des gehobenen Einzelhandels. Dann geht der Boom mit Kaufhäusern nach Pariser Vorbild los. 1912 eröffnet Leonhard Tietz sein großes Warenhaus – wenig später mit den ersten Rolltreppen Deutschlands. Das Gebäude existiert noch. Das Unternehmen wurde von den Nazis „arisiert“ und heißt seitdem Kaufhof. Aber viele alte Kölner*innen sprechen immer noch vom „Tietz“.

1945 ist das alles eine Trümmerwüste. Dann kommt das Wirtschaftswunder. Kaufhalle, Woolworth und Karstadt versorgen die Kölner*innen im Überfluss. Und dann auch noch: Die Fußgängerzone! Eröffnet von Oberbürgermeister Burauen 1967. Als „schönste verkehrsfreie Einkaufsstraße Europas“. Ach was, sogar – O-Ton des Oberbürgermeisters: „der Welt“.

Naja. Heute haben wir vielleicht andere Vorstellungen von Schönheit. Aber die Rechnung geht auf – die Hohe Straße bringt es stündlich auf fast 10.000 Menschen. Und ist damit eine der meistfrequentierten und beliebtesten Einkaufsmeilen Deutschlands.

Und bestimmt auch dann wieder, „wenn et vorbei es.“

M. Kramp