Zum Kochen & Essen

Bild der 13. Woche - 30. März bis 5. April 2020

Frans Snyder, Köchin mi Esswaren, um 1630/1640, Öl auf Leinwand, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud (Foto RBA Köln)

Derzeit zwingt uns die Corona-Pandemie dazu, zuhause zu bleiben und uns in den eigenen vier Wänden die Zeit zu vertreiben. Der Alltag ist jetzt geprägt von Home-Office, Skype-Partys und Kinder-Beschäftigen. Kochen ist auf einmal entweder ein Tages-Highlights oder eine neue Herausforderung. Am Herd stehen und kochen ist aber nicht nur Zeitvertreib, sondern ein exklusiv menschliches Verhalten: Seit circa 1,5 Millionen Jahren bereitet der Mensch Mahlzeiten zu. Kochen ist eine der wichtigsten Kulturtechniken, die sich der Mensch angeeignet hat. Vegan, vegetarisch oder fleischhaltig: Was und wie wir essen, sagt auch heute noch viel über unseren Lebensstil aus. Im Jahr 1630 als Frans Snyders Gemälde „Köchin mit Esswaren“ entstanden ist, reichte ein kurzer Blick in die Küche schon aus, um viel über den Wohlstand einer Familie auszusagen.

Jagd-, Markt- & Küchen-Szenen

Frans Snyders war ein flämischer Maler des 16. und 17. Jahrhunderts, der sein Leben hauptsächlich in Antwerpen verbrachte. Dort erlernte er sein Handwerk als Schüler von Pieter Bruegel dem Jüngeren und betrieb danach sein eigenes Atelier mit zahlreichen Schülern wie etwa Jan Fyt. Er war ein Freund und Weggefährte von Anthony van Dyck und Peter Paul Rubens. Rubens und Snyders kollaborierten auch künstlerisch regelmäßig, sodass bis heute nicht immer zweifelsfrei geklärt ist, welches Werk zu welchem Maler gehört. Bekannt ist Snyders vor allem für seine großformatigen Stillleben und seine Jagd-, Markt- und Küchen-Szenen. Er galt als einer der besten Tiermaler seiner Zeit. Auch im Gemälde „Köchin mit Esswaren“ wird Snyders Technik und Talent deutlich und das nicht nur anhand der dargestellten Tiere, sondern auch anhand des Portraits der Köchin.

Opulenz am Küchentisch

In Snyders Gemälde sind alle gemalten Tiere bereits tot und werden von der Köchin zubereitet. Es ist ein typisches Motiv für den Künstler, der häufig tote Tiere vor der Zubereitung im Jagdtrophäen-Stil abbildete. Ungewöhnlich ist dafür, dass Snyders in diesem Werk auf einen Kontrast mit lebendigen Tieren – z.B. streunende Katzen oder Mäuse - verzichtete. Die Anzahl und Auswahl der Zutaten lassen auf nichts Geringeres als ein Festmahl schließen. Die Anordnung der Tiere wirkt zwar wie ein zufälliges Arrangement, aber man kann davon ausgehen, dass Snyders wie es für Barock-Stillleben üblich war dem Gemälde eine sorgfältige Bild-Komposition zugrunde gelegt hat.

Üblich für ein Küchenstück wie dieses war es auch, dass die Szenerie in einem dunklen Kellerraum stattfand. Küchen- und Markszenen aus dem 17. Jahrhundert sind oft nur durch einen solchen räumlichen Unterschied von Innen und Außen voneinander abzugrenzen. Während die Marktszenen jedoch die Kommerzialisierung der Landwirtschaft und die agrarökonomische Warenproduktion thematisieren, geht es bei den Küchenbildern häufig eher um die hausökonomische Bedarfsdeckung in großbürgerlichen Haushalten. Die Opulenz des Festmahls lässt also auch auf eine wohlhabende Familie schließen. Snyders Markt- und Küchenbilder wurden schon vielfach interpretiert. Mal werden sie als Kritik an Luxus und Maßlosigkeit gelesen, mal gelten Sie als Propaganda für das Leben in Antwerpen. Und heute liefert das Bild Inspiration sich während der vielen Zeit zuhause mal an einen aufwendigen Sonntagsbraten zu wagen!

E. Butt