Frühlingshafte Stellschirme

Bild der 15. Woche - 13. April bis 19. April 2020

Anonym, Blumen und Vögel/Fasane und Kirschblüten, Spätes 17. bis frühes 18. Jhd., Tusche, Farben, Gofun (Muschelkalk) und Gold auf Papier, Linker Stellschirm, Inv. Nr. Aa 11a-b ©RBA, Sabrina Walz

Anonym, Blumen und Vögel/Fasane und Kirschblüten, Spätes 17. bis frühes 18. Jhd., Tusche, Farben, Gofun (Muschelkalk) und Gold auf Papier, Rechter Stellschirm, Inv. Nr. Aa 11a-b ©RBA, Sabrina Walz

Künstlerisch gestaltete Stellschirme, in Europa als Paravent bekannt, fanden in China spätestens seit der Mitte des ersten Jahrtausends Verwendung. Nach Japan gelangten die mobilen Raumelemente zunächst als Abschirmungen buddhistischer Riten und erfüllten ab dem 12. Jahrhundert als kunstvoll gestaltete Raumteiler zunehmend säkulare Zwecke. Aus mehreren miteinander verbundenen hochformatigen Paneelen bestehend, bilden sie ein großes Bildformat. Typische Motive sind stimmungsvolle Landschaften, Pflanzen, Tieren und Genreszenen.

Ein besonders dekoratives Stellschirmpaar aus der Edo-Zeit (1615-1868) thematisiert das in Ostasien beliebte Sujet des Frühlings. Die beiden zusammengehörenden Stellschirme zeigen einen Ausschnitt einer stilisierten Frühlingslandschaft auf goldenem Grund. Die Gestaltung der beiden aufeinander bezogenen Stellschirmteile, bestehend aus jeweils zwei Paneelen, erzeugt eine reizvolle Spannung.

Von rechts nach links – und damit der traditionellen Schreibrichtung und den Sehgewohnheiten in Ostasien folgend - ragt vom ersten Schirm ein knorriger, sich in der Mitte nach links biegender, Kirschbaum diagonal in den Bildraum. Er weist zum linken Stellschirm, auf dem sich ein ähnlicher Kirschbaum nahezu spiegelbildlich von links nach rechts neigt. Auf und unter den blühenden Kirschzweigen sowie im Gold hinterlegten Luftraum sind unterschiedliche Vögel, die sich ebenfalls paarweise aufeinander beziehen. Bunte Frühlingsblumen wachsen an den Ufern eines mäandernden Flusslaufes im Schatten der weiß-rosa blühenden Bäume. Auf dem rechten Stellschirm sind es prächtige Päonienstauden in Zartrosa und Rot, links rotblühende Kamelien. Die Blüten wurden in der moriage-Technik mit Muschelkalk (gofun) reliefartig gebildet und erzeugen einen starken Kontrast zu den Brauntönen der Baumstämme, dem dunkelblauen Wasserlauf und dem in gedeckten Farben gehaltenen Gefieder der Vögel. Unter diesen treten vier Fasane besonders in Erscheinung: auf dem rechten Bildschirm ein Paar japanischer Fasane am Boden, links die prächtigeren chinesischen Goldfasane erhöht auf einem Felsen stehend. Fasane werden in Japan mit dem Frühling assoziiert, ihre Schreie kündigen den Beginn der neuen Jahreszeit an. Sie verkörpern aber auch Mut und Tapferkeit. Über den Künstler und Auftraggeber verrät das Gemälde nichts. Sujet und Malweise legen aber nahe, dass das Kölner Stellschirmpaar für ein wohlhabendes Mitglied der Samurai-Standes gefertigt wurde.

C. Stegmann-Rennert