Funkhaus am Wallrafplatz

Bild der 10. Woche - 9. März bis 15. März 2020

Funkhaus des Westdeutschen Rundfunks, Ostseite, Wallrafplatz Köln, 1948-1952 nach Plänen von Peter Friedrich Schneider (Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln)

Im Jahr 1948 liegt Köln in Schutt und Asche. 90 Prozent der Innenstadt wurden im 2. Weltkrieg zerstört, darunter auch das Funkhaus der Westdeutschen Rundfunk AG (WERAG) - unter den Nazis „Reichssender Köln“ - in der Dagobertstraße. Zu einem der ersten großen Bauvorhaben nach dem Krieg wird der Bau eines Kölner Funkhauses für den 1945 gegründeten Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR). Die Wahl für einen geeigneten Standort fällt schließlich auf ein Trümmergrundstück am Dom. Hier stand vor dem Krieg das Hotel Monopol, dessen Ruine in den Bau miteinbezogen werden kann – somit ein Weg, um Material und Kosten zu sparen.

Mit dem Projekt wird der Architekt Peter Friedrich Schneider beauftragt. Bald zeigt sich, dass das Grundstück nicht groß genug ist – es müssen immer wieder umliegende Grundstücke hinzugekauft werden. Die Fertigstellung zögert sich weiter hinaus, als auch die Materialbeschaffung Probleme macht. Dies nimmt die Hamburger Generaldirektion des NWDR zum Anlass, den Neubau eines Kölner Funkhauses grundsätzlich in Frage zu stellen. Seit der Sender die gesamte britische Besatzungszone abdeckt, gibt es zwischen den Zentralen in Köln und Hamburg regelmäßig Reibereien – den Streitpunkt „Kölner Funkhaus“ greift nun auch die Kölner Lokalpresse auf. „Eitel Wonne und Zufriedenheit herrschte darob in der Stadt am großen Meer, die sich aber alsbald in Gift und Galle verwandelten, als nämlich das Funkhausneubauprojekt in Köln akut wurde“, schreibt der Kölner Stadtanzeiger am 17. August 1950. Die gereizte Stimmung verfliegt zumindest ein wenig, als (zwei Jahre nach dem geplanten Termin) das neue Funkhaus am Wallrafplatz am 21. Juni 1952 feierlich eröffnet wird. 1955/56 spaltet sich der NWDR in WDR und NDR auf.

In den 50ern und 60ern gilt das Funkhaus als eines der modernsten in Europa. Der Große Sendesaal, gestaltet vom Bildhauer Ludwig Gies und nach dem ersten WDR-Intendanten Klaus von Bismarck benannt, ist insbesondere für seine Akustik und die kunstvollen Fenster bekannt. Hier finden jährlich bis zu 200 Konzerte und Veranstaltungen statt. Auch der Kleine Sendesaal wird ausgiebig für Konzerte genutzt. Daneben beherbergt das Funkhaus auch einen Großteil der Redaktionsräume des WDR-Hörfunks, digitale Produktionsstudios für Wort- und Musiksendungen, Teile des Schallarchivs, die Hörfunktechnik und die Sendezentrale. Heute steht das Funkhaus unter Denkmalschutz und lockt auch dank der schwungvollen Innenarchitektur jedes Jahr 70.000 Besucher an. Auch der Paternosteraufzug, den nur noch die Mitarbeiter benutzen dürfen, trägt zum Charme des ältesten WDR-Gebäudes Kölns bei.

J. Lübke