Internationaler Frauentag: Paula & die Kunst

Bild der 09. Woche - 2. März bis 8. März 2020

Modersohn-Becker, Paula, Selbstbildnis vor blaugrauem Grund, 1906, Öl auf Pappe, Museum Ludwig, Überweisung Wallraf-Richartz-Museum 1976 (Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln)

Diesen Sonntag, also am 8. März, feiern wir den internationalen Frauentag. Alljährlich wird auf die Gewalt gegen und Benachteiligung von Frauen aufmerksam gemacht. An diesem Kampftag wird die Gleichberechtigung aller Geschlechter und sexuelle Selbstbestimmung gefordert. Entstanden ist der Tag vor über hundert Jahren, initiiert von sozialistischen Organisationen, die sich für Wahlrecht und Hochschulbildung für Frauen sowie Emanzipation der weiblichen Arbeiterschaft eingesetzt haben. Im Jahr 1975 richteten die Vereinten Nationen am 8. März erstmals eine Feier zum Weltfrauentag aus. Inzwischen ist der Tag in 26 Ländern ein gesetzlicher Feiertag, seit 2019 auch im Bundesland Berlin.

Frauen in der Kunst

Nicht nur der Weltfrauentag gibt Anlass dazu sich mit Frauen in der Kunst zu beschäftigen. Inzwischen ist es zwar weitläufiger Konsens, dass alle Geschlechter im gleichen Maß zum künstlerischen Schaffen fähig sind. Trotzdem verweisen Kritiker*innen zu Recht darauf, dass Kunst von nicht-männlichen Personen in Museen immer noch unterrepräsentiert sei. Dies gelte im Besonderen für Kunst von weiblichen oder queeren People of Color. Auch Paula Modersohn-Becker (1876-1907), die heute als eine der bedeutendsten, deutschen Maler*innen und Vertreter*innen des frühen Expressionismus gilt, hat zu Lebzeiten nur eine Handvoll ihrer Werke verkaufen können.

Genauso wie Gabriele Münter, Anna Peters oder Clara Arnheim wurde auch Modersohn-Becker für ihre Kunst als „Malweib“ verspottet. Zur Jahrhundertwende blieb Frauen in Deutschland der Zugang zu staatlichen Kunstakademien verwehrt. Deswegen absolvierte Modersohn-Becker ihre Ausbildung an privaten, kostspieligen Damenakademien wie der des „Vereins für Berliner Künstlerinnen und Kunstfreundinnen“. Nur durch die finanzielle Unterstützung ihrer Familie und ihres Ehemannes Otto Modersohn war es ihr möglich überhaupt eine Künstlerexistenz zu führen – Eine Möglichkeit, die für die meisten Frauen Ihrer Zeit nicht mal im Traum realisierbar war.

Das kurze Schaffen der Paula Modersohn-Becker

Paula Modersohn-Becker war keine lange Schaffenszeit gegönnt: Mit nur 31 Jahren starb sie kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes. Trotzdem hat sie ein Werk hinterlassen, das sich mit über 700 Gemälden, 1000 Zeichnungen und einigen Radierungen, gewaltig nennen darf. Landschaften, Stillleben, Portraits, Kinderbildnisse und Selbstportraits bildeten ihr Oeuvre. Künstlerische Heimat fand sie sowohl in der Künstlerkolonie Worpswede als auch im schnelllebigen Paris. Die Ehe mit dem Künstler Otto Modersohn war geprägt von Höhen und Tiefen, aber auch von einem gegenseitigen, künstlerischen Respekt. Gemeinsam mit Heinrich Vogeler sorgte Otto nach dem Tod Paulas dafür, dass ihre Bilder ausgestellt wurden. 1927 wurde das weltweit erste Museum eröffnet, das allein einer Frau gewidmet ist: Das Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen.

Zeit ihres Lebens beschäftigte sich Modersohn-Becker mit der Erkundung des Selbst. Ihre Akt-Selbstbildnisse von 1906 gelten in der Kunstgeschichte als erste ihrer Art. Das hier gezeigte „Selbstbildnis vor blaugrauem Grund“ entstand ebenfalls 1906 und ist von ägyptischen Mumienbildnissen inspiriert. Kurz zuvor hatte Sie im Louvre die antiken Kunstwerke entdeckt und war fasziniert von der zeitlosen Ruhe, die die Abgebildeten ausstrahlen. Im Fokus ihres maskenhaften Selbstbildnisses steht ihr inneres Seelenleben, verhandelt wird ihre eigene weibliche Identität. Ein Thema das auch im Jahre 2020, 100 Jahre nach der erstmaligen Zulassung von Frauen an deutschen Kunstakademien, Künstler*innen immer noch beschäftigt und antreibt.

E. Butt