Chinesisches Neujahr - Das Jahr der Ratte

Bild der 03. Woche - 20. Januar bis 26. Januar 2020

Querrolle "Kampf der zwölf Tiere des Tierkreises" (Detail), Japan, 17. oder 18. Jh., Museum für Ostasiatische Kunst, A 09,13 (Foto:© RBA Köln / Sabrina Walz)

In China orientiert sich auch heute noch der traditionelle Bauernkalender (nongli) am Mondjahr. Das Frühlingsfest (chunjie) ist das bedeutendste Fest im Jahresverlauf. Es steht am Beginn des Mondkalenders und wird von Chinesen in aller Welt ausgiebig gefeiert. In diesem Jahr starten die Feierlichkeiten am 24. Januar 2020 am Vorabend des traditionellen Neujahrs und enden am 08. Februar mit dem Laternenfest. Das gerade zu Ende gehende Jahr stand unter dem Tierkreiszeichen „(Wild-)Schwein“ und wird nun von der „Ratte“ abgelöst. Die insgesamt zwölf Tierkreiszeichen (Ratte, Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, Hund, Wildschwein) gelten jeweils für ein ganzes Mondjahr und symbolisieren unterschiedliche Eigenschaften und Konstellationen. Nach einer Legende hat die eher unscheinbare Ratte durch eine List sogar die erste Stelle unter den chinesischen Tierkreiszeichen erlangt. Auch die 24 Stunden eines Tages wurden traditionell in zwölf Doppelstunden aufgeteilt, die jeweils einem der zwölf Tiere zugeordnet sind.

In der japanischen Tradition gibt es die Vorstellung von den zwölf Jahrestieren ebenfalls. So tauchen die Tiere häufig auf raffiniert gestalteten Neujahrsdrucken und Kalenderblättern der Edo-Zeit und bis heute auf den Neujahrsgrußkarten auf.

Eine besondere Malerei in Form einer Querrolle aus der Sammlung des Museums für Ostasiatische Kunst illustriert hingegen eine Erzählung über einen Wettstreit der Tiere. Die zwölf Jahrestiere sind mit feinen Pinselstrichen in menschenähnlicher Gestalt dargestellt, wie sie mit ihren Herausforderern, einem Hirsch und einem Waschbär, einen Dichterwettstreit ausfechten. Im ersten Abschnitt der Darstellung (s. Abbildung) sind die zwölf Jahrestiere unter dem Vorsitz des Drachen in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Ratte trägt im Unterschied zu den anderen Tieren, die entweder aristokratische oder die Kleidung des Kriegerstandes tragen, orangefarbene Mönchskleidung. Die Querrolle wurde 1909 vom Museumsgründer Adolf Fischer in Japan erworben. Es handelt sich um eine Kopie früherer Versionen, die in Japan ab dem 15. Jahrhundert als eine Form der politischen Satire entstanden.

Im Jahr der Ratte Geborene sollen übrigens geistesgegenwärtig, einfallsreich und vielseitig sein. Mit starker Intuition und schnellem Reaktionsvermögen ausgestattet sind sie in der Lage, sich flexibel an unterschiedliche Situationen anzupassen und diese vorteilhaft zu nutzen. Das Jahr der Ratte gilt allgemein als ein Jahr des Neubeginns und der Erneuerung.

C. Stegmann-Rennert