Ein Stück Kölsche Kultur

Bild der 02. Woche - 13. Januar bis 19. Januar 2020

Der Weingott Dionysos stützt sich trunken auf seinen Begleiter – Detailaufnahme des zentralen Mosaikmotives; 220/230 n. Chr.
Foto: Römisch-Germanisches Museum / Rheinisches Bildarchiv Köln

Momentan befindet sich das gesamte Römisch-Germanische Museum im Umbau und somit ist ein wichtiges Stück Kölscher Kultur und Geschichte auf dem Roncalli-Platz nur noch an speziellen Tagen zu besichtigen. Nichtsdestotrotz soll diese Woche ein ganz besonderes Ausstellungsstück des Museums vorgestellt werden: Das Dionysos-Mosaik.

Entstanden ist das bis heute sehr gut erhaltene Mosaik um 200 n.Chr. und schmückte den Boden im Speisesaal einer römischen Villa. Es erstreckt sich über 75qm ist somit das größte, nördlich der Alpen gefundene Mosaik. Abgebildet sind nicht nur verschiedene Speisen, sondern auch der Weingott Dionysos, welcher schließlich zum Namensgeber dieses Mosaiks wurde.

Bis zur Eroberung der Stadt durch die Germanen in der Mitte des 4. Jahrhunderts n.Chr. konnte Dionysos wahrscheinlich das ein oder andere Fest aus nächster Nähe betrachten. Als die Zeit der Römer sich dem Ende neigte, fiel auch das Mosaik den germanischen Feuern zum Opfer und erlitt einige Brandspuren. Gleichzeitig legte sich so aber auch eine Schutzschicht auf den Boden, sodass er bis heute so gut erhalten ist. Knapp 1.500 Jahre verweilte das Mosaik dann samt dem Weingott unter der Erde. Während des Zweiten Weltkriegs sollte im Jahr 1941 ein Luftschutzbunker an der Südseite des Doms errichtet werden. Bei den Ausgrabungen hierzu stieß man auf das Dionysos-Mosaik. Dieser Fund war so wichtig, dass rund fünf Jahre später der Beschluss gefasst wurde, das Römisch-Germanische Museum um das Mosaik herum zu bauen. Die Eröffnung des Museums folgte dann 1974.

Im Laufe der Zeit musste sich auch Dionysos mit seinem Mosaik einigen Schönheitskorrekturen unterziehen. Nach dem Orkan Kyrill im Jahr 2007 musste beispielsweise jeder einzelne der 1,5 Millionen Mosaiksteine auf Kratz- und Schürspuren geprüft werden, da aufgewirbelte Holzplatten durch die Fenster des Museums stießen und so das Mosaik beschädigt hatten. Dafür reiste eigens eine Gruppe Erfurter Studierender an. Aber auch Experten des italienischen "Istituto Superiore per la Conservazione ed il Restauro", dem Institut zur Restaurierung von Mosaiken und Wandmalereien des italienischen Ministeriums für Kulturgüter, beteiligten sich an den Arbeiten. Das Institut hatte schon bei der Instandsetzung des Mosaiks nach dem Fund seine Expertise bewiesen.

Zwar sind die Zeiten der ausgelassenen römischen Feste für unseren Dionysos vorbei, eine spannende Anekdote hat er aber auch aus der heutigen Zeit zu erzählen: 1999 kamen die Teilnehmer des G8-Gipfels, also dem informellen Forum von 8 Staats- und Regierungschefs zum Austausch über weltpolitische Fragen, zusammen und speisten auf dem Mosaik - fast wie in alten Zeiten.

K. C. Plettemeier