Der Heinzelmännchenbrunnen

Bild der 51. Woche - 23. Dezember bis 29. Dezember 2019

Heinz Held, Kinderwagen am Heinzelmännchenbrunnen, Köln. Print, Silbergelatine, Museum Ludwig (Foto: RBA Köln)

„Wie war zu Cölln es doch vordem,
Mit Heinzelmännchen so bequem!”

Diese beiden ersten Zeilen des Gedichts “Die Heinzelmännchen von Köln” des Malers und Dichters August Kopisch (1799–1853) sind einem Großteil der Kölner bekannt, gehören sie doch zu einer der beliebtesten Kölner Sagen. Die Heinzelmännchen finden sich in ganz Köln wieder; eine der bekanntesten Darstellungen ist der Heinzelmännchenbrunnen, der dieses Jahr seinen 120. Geburtstag feiert. Anlass zu seiner Erbauung war ebenfalls ein Geburtstag, nämlich der 100. Geburtstag von Kopisch, 1899. Ihm zu Ehren stiftete der „Kölner Verschönerungsverein“ die Erbauung des Brunnens. Den Wettbewerb zur Gestaltung des Brunnens gewannen der Bildhauer Edmund Renard und sein Sohn Heinrich.

Das Foto vom "Kinderwagen am Heinzelmännchenbrunnen" stammt vom Kölner Fotografen Heinz Held. Held fotografierte am liebsten Menschen bei ganz alltäglichen Handlungen und gilt als einer der großen Chronisten der Kölner Nachkriegszeit. Eine solche Alltagssituation zeigt auch das Foto vorm Brunnen: Ein Kleinkind dreht sich vermutlich zum spannenden Treiben auf dem Roncalliplatz um, im Hintergrund sieht man Detailaufnahmen des beliebten Heinzelmännchenbrunnen. 

Fleißige Heinzelmännchen & Faule Kölner

In ihrer Gestaltung des Brunnen wird auf die Heinzelmännchen Erzählung von August Kopisch direkt Bezug genommen. In insgesamt acht Reliefs sieht man die fleißigen Heinzelmännchen, wie sie den faulen Kölnern die Arbeit abnehmen, sei es beim Zimmermann, in der Bäckerei oder beim Fleischer. Auch einige Verse des Gedichts werden abgebildet. Den Höhepunkt der Geschichte nimmt die neugierige Schneidersfrau ein, die auch hier in den Mittelpunkt gerückt wird. Sie steht in der Mitte des Brunnen auf einer Anhöhe, die durch Treppenstufen auf beiden Seiten mit den Reliefs verbunden ist. Auf diesen Stufen schauen die entdeckten Heinzelmännchen erschrocken zu ihr empor. Passend zu dieser Szene befindet sich zu den Füßen der Schneidersfrau ein Spruchband mit den Versen des Gedichts: "Neugierig war des Schneiders Weib".

Obwohl sie in der Erzählung die Rolle des Bösewichts übernimmt, die Heinzelmännchen vertreibt und die Kölner wieder zum arbeiten zwingt, wird sie als eine sehr schöne Frau dargestellt. Hier könnte August Kopischs Herkunft eine Rolle gespielt haben. Dieser war schließlich ein preußischer Beamter und konnte mit der rheinischen Gemütlichkeit wahrscheinlich nicht viel anfangen. So war für ihn die Schneidersfrau womöglich die Heldin der Geschichte, die die faulen Kölner wieder zum Arbeiten brachte. Aber ob dies für die Bildhauer Renard ausschlaggebend war wird wohl genauso wie der Verbleib der Heinzelmännchen ein Geheimnis bleiben.

K. Jansen