Ein besonderer Betonklotz

Bild der 52. Woche - 30. Dezember bis 5. Januar 2020

Römisch-Germanisches Museum, Köln 1974 (Foto: © RBA Köln)

Wer die Agrippa-Straße von Trier nach Köln entlangläuft, wandert auf einer alten römischen Fernstraße, die damals noch nach Colonia Claudia Ara Agrippinensium, Kölns Vorgängerin, führte. In Köln angekommen kreuzt man schließlich die alte römische Hafenstraße und findet: Einfach einen riesigen Betonklotz direkt neben dem Dom?

Gemeint ist das Gebäude des Römisch-Germanischen Museums. Aber mehr als ein riesiger Klotz ist es auf jeden Fall, wie ein Blick zurück in die Geschichte zeigt. Denn allein der Roncalliplatz an dem das RGM heute steht, bietet schon einen Einstieg für spannende Zeitreisen: An der Stelle des heutigen Museums befand sich zu römischer Zeit ein Wohnhaus, das heute als Peristylhaus mit dem Dionysosmosaik bekannt ist. Es war ein rechtwinkliges Gebäude mit einem Hof in der Mitte. Dort wohnte vermutlich eine wohlhabende Familie, die das Haus als Stadtvilla benutzte. Die Überreste dieses Hauses wurden 1941 bei der Aushebung eines Luftschutzkellers entdeckt. Diese Stelle am Roncalliplatz war damals nämlich noch nicht bebaut. Besonderes Aufsehen erregte dabei die Freilegung des Dionysosmosaiks, das jedes Jahr zahlreiche Besucher*innen nach Köln zieht.

Der heutige Museumsbau orientiert sich am Grundriss des römischen Hauses. Das Mosaik bleibt jedoch sichtbar und ist auch von außen durch eine Glaswand links vom Eingang des Museums zu sehen. Entworfen wurde dieser Bau von den Architekten Heinz Röcke und Klaus Renner. Im Jahre 1974 wurde das RGM eröffnet und prägt seitdem das Bild des Roncalliplatzes. Für das Museumsgebäude wurden nur wenige verschiedene Materialien verwendet. Es sieht aus wie ein Betonklotz auf einem Sockel. Es ist ein typisches Beispiel für den Stil des Brutalismus. Natürlich ist es schlicht gehalten, um dem benachbarten Dom keine Konkurrenz zu machen. Dieser Stil, sowohl gefeiert als auch kritisch betrachtet, ist an vielen exponierten Stellen in Köln zu finden.

Das Bild der Woche zeigt einen Blick auf das kurz zuvor eröffnete Gebäude. Damals und auch heute noch löst es unterschiedliche Meinungen aus. Zurzeit ist das Römisch-Germanische Museum übergangsmäßig in das Belgische Haus am Neumarkt gezogen, denn am Roncalliplatz wird sich in den kommenden Jahren baulich Einiges ändern. Der Museumsbau wurde dafür rechtzeitig unter Denkmalschutz gestellt. Er wird Köln damit erhalten bleiben.

C. Steinböhmer