Menschenrechte für Alle?

Bild der 49. Woche - 9. Dezember bis 15. Dezember 2019

Honoré Fragonard / Louis François Mariage, Déclaration sacrée des droits de l'hommet du citoyen vom 26.8.1789 / Erklärung der Menschenrechte, Kupferstich, um 1793, Kölnisches Stadtmuseum, Inv.-Nr. HM 1904/202, KH 954 Druck (Foto RBA Köln)

Am 10. Dezember 1948 trat Eleanor Roosevelt, Vorsitzende der UN-Menschenrechtskommission und Witwe des ehemaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt, vor die Vereinten Nationen und verlas die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“. Ein historischer Meilenstein, denn noch nie zuvor hatten sich die damals 56 UN-Mitgliedsstaaten auf solch universelle Rechte verständigt. Unabhängig von Nation, Hautfarbe, Geschlecht, Vermögen, Religion oder politischer Angehörigkeit sollte jeder Mensch Anspruch auf die erklärten Rechte und Freiheiten haben. So lautet der erste Artikel programmatisch: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“. Zu den dreißig Artikeln der Erklärung zählen unter anderem das Recht auf Leben, Glaubensfreiheit und Gesundheit, aber auch das Recht auf freie Meinungsäußerung, Bildung und Staatsangehörigkeit.

Ein Konzept, das Anklang findet

Das Bild der Woche zeigt einen der berühmten, ideengeschichtlichen Vorläufer der Allgemeinen Menschenrechtserklärung: Die Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen, die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte durch die französische Nationalversammlung vom 26. August 1789. Zur Zeit der französischen Revolution entstanden und durch die Ideen der Aufklärung beeinflusst, gilt der Text bis heute als Grundlage der Demokratie und Freiheit in Frankreich. Kein Wunder also, dass die Déclaration auch in Kunst und Kultur unzählige Male verarbeitet wurde, wie beispielsweise in diesem Kupferstich von Jean-Honoré Fragonard und Louis-Francois Mariage.

Mit keiner Gegenstimme und nur acht Enthaltungen wurde die UN-Menschenrechtscharta 1948 auf der Generalsversammlung im Pariser Palais de Chaillot angenommen. Trotzdem handelt es sich bei der Erklärung nicht um einen rechtlich-bindenden Vertrag, sondern um eine UN-Resolution, also eine politische Empfehlung. Die Staaten verpflichteten sich durch weitere Maßnahmen die Einhaltung der Rechte zu gewährleisten. Rechtsverbindlich wurde die Menschenrechtserklärung erst durch die Einbettung in nationales Recht der einzelnen Mitgliedsstaaten. In Deutschland war das 1949 mit der Verankerung im Grundgesetz der Fall.

Menschenrechte Heute

Auch wenn die UN-Menschenrechtserklärung zu den meist übersetzten Texten der Welt gehört, sind die Rechte selbst über 70 Jahre nach der Verkündigung nicht überall durchgesetzt. Bis heute gibt es erhebliche Verstöße gegen die dreißig Artikel der Erklärung. Jeden Tag kommt es auf allen Kontinenten zu Folter, Völkermord, Sexismus, Rassismus, Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung. Der 10. Dezember ist seit 1950 der offizielle, internationale Tag der Menschenrechte. Als solcher gedenkt der Tag dem historischen Moment im Winter 1948. Er erinnert uns aber gleichzeitig auch daran, dass noch lange nicht alle Menschen die gleichen Rechte und Freiheiten genießen können.

E. Butt