Südfassade des Doms

Bild der 47. Woche - 25. November bis 1. Dezember 2019

Adolf Lasinsky, Blick auf den Kölner Dom und den Domhof von Südosten, Köln 1829, Öl auf Leinwand, Kölnisches Stadtmuseum, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. A I 3/173 A KSM 1963/263 Bild (Foto RBA Köln).

Einen „Blick auf den Kölner Dom und den Domhof von Südosten“ nannte Adolf Lasinsky 1829 sein Gemälde und zeigte verglichen mit dem heutigen Anblick des Domes ein noch mäßig beeindruckendes Abbild des Bauwerks. Lasinsky fing die Szene kaum mehr als dreizehn Jahre vor Wiederaufnahme der Bauarbeiten am Dom ein. Zuvor hatte es eine Baupause von über drei Jahrhunderten gegeben. In rapider Zeit veränderte sich die Erscheinung des Domes Mitte des 19. Jahrhunderts und die Bauruinen aus dem Mittelalter wichen einer prächtigen gotischen Kathedrale.

Das Fundament der abgebildeten Südseite des gotischen Doms wurde schon bei Baubeginn im Mittelalter angelegt. Zuvor mussten jedoch die Mauern des alten Doms durch ein kontrolliertes Feuer weichen, welches den Neubau im Jahr 1248 ermöglichte. In der ersten Bauphase wurden zunächst der Kapellenkranz sowie die südliche Chorwand und die südöstliche Querhauswand erbaut. Während der Domchor bereits früh vollendet war, konnten nachfolgend vor allem die südlichen Seitenschiffe und die unteren Bereiche des Südturmes fertiggestellt werden. Anfang des 16. Jahrhunderts wurden alle größeren Baumaßnahmen am Dom eingestellt und sein unfertiger Anblick prägte für mehr als 300 Jahre das Kölner Stadtbild.

Insbesondere der 56 Meter hohe Südturm mit einem mittelalterlichen Baukran auf seinem höchsten Punkt blieb bis ins späte 19. Jahrhundert ein Wahrzeichen Kölns. Der hölzerne Kran tauchte bereits im 15. Jahrhundert das erste Mal in Gemälden auf und war vermutlich in Zusammenhang mit dem Baubeginn des Südturms errichtet worden. Auf dem Boden zusammengesetzt wuchs der Kran gleichsam mit dem voranschreitenden Bau des Südturms immer weiter in die Höhe. Da weite Teile des Doms bis zur Unterbrechung der Baumaßnahmen im 16. Jahrhundert einer Ruine glichen, galt der Kran auf dem Südturm bald als thronende Mahnung, den Dom eines Tages zu vollenden. Die Wiederaufnahme der Bauarbeiten fanden schließlich im Jahr 1842 statt und man begann den Kölner Dom nach den alten Bauplänen fertigzustellen. Der Kran auf dem Südturm war mit dem Abschluss des Baus knapp vier Jahrzehnte später verschwunden und die Höhe der nunmehr zwei Kathedralentürme war insgesamt auf über 157 Meter gestiegen.

J. Rinne