Nach 25 Jahren: Ray Charles wieder in Köln

Bild der 36. Woche - 9. September bis 15. September 2019

Norman Seeff: Ray Charles, 1985 © Norman Seeff

Vor 25 Jahren spielte Ray Charles (1930-2004) in der Kölner Philharmonie. Er war zu Gast bei der ersten MusikTriennale Köln, eines damals neu ins Leben gerufenen Musikfestivals, das Klassik, Jazz und Weltmusik miteinander verband - und danach noch fünf weitere Male verbunden hat. 2010 fand die MusikTriennale zum sechsten und letzten Mal statt und wurde danach vom Festival "Acht Brücken" abgelöst.

Nun kommt Ray Charles nach Köln zurück - in Form einer legendären Fotoaufnahme. Sein damaliger Auftritt in der Philharmonie ist den Kölner Musikliebhaberinnen und -liebhaber in keiner guter Erinnerung. Nach nur 70 Minuten war das Gastspiel des blinden Sousängers zu Ende, und Intendant Franz Xaver Ohnesorg musste sich vom Publikum beschimpfen lassen. Sein jetziger Auftritt wird sicher weniger geräuschvoll von statten gehen, dafür aber kommt er mit einer ganzen Schar von exzellenten Musikern - und zwar ins MAKK - Museum für Angewandte Kunst Köln.

Die Aufnahme gehört zu 170 brillanten Werken des südafrikanischen Fotografen Norman Seeff, die das Museum vom 13. September an zeigt. Seeff fotografierte Musiklegenden wie Patti Smith, Tina Turnerdie , Rolling Stones, Johnny Cash, Ray Miles Davis, Frank Zappa und eben Ray Charles; zudem setzte er Stars wie den Pop Art-Künstler Andy Warhol, Apple-Mitbegründer Steve Jobs und den Dirigenten Zubin Mehta in Szene – um nur einige zu nennen. Seine Bilder zeigen die Künstlerinnen und Künstler in privater Umgebung oder dem Studio – offen, spontan und mit ihrer ganzen Persönlichkeit. Die Ausstellung bietet einen tiefen Einblick in die Bild- und Musikkultur der 1960er bis 1980er Jahre. 

Norman Seeff zählt zu den berühmtesten Porträtfotografen der USA. Er wurde 1939 in Südafrika geboren, arbeitete dort als Arzt, bis er Ende der 1960er Jahre in die USA auswanderte. Sein Durchbruch als Fotograf gelang ihm bereits mit seinem ersten
Auftrag für das Album „Stage Fright“ von „The Band“. Schon zwei Jahre später wurde er Artdirector von United Artists Records und dem Jazzlabel Blue Note. Er eröffnete 1974 sein eigenes Studio auf dem Sunset Boulevard in Los Angeles und wurde einer der großen Fotografen der amerikanischen Musik- und Kulturszene, ist aber der namentlich vielleicht am wenigsten bekannte unter ihnen. Die Ausstellung ist eine gute Gelegenheit ihn kennenzulernen.

M. Hamann