50 Jahre Woodstock und das Ende der Hippie-Bewegung

Bild der 32. Woche - 12. August bis 18. August 2019

Ruth-Marion Baruch: Hare Krishna Tanz im Golden Gate Park, 1967. Vintage Print auf Gelatinesilberpapier, 22,6 x 34,4 cm. Museum Ludwig, Sammlung Fotografie, Inv.-Nr. ML/F 2013/0082, Schenkung 10.09.2013 (Foto: RBA) 

Am 15. August 1969 begann eines der folgenreichsten Ereignisse der Musikgeschichte: das Musikfestival „Woodstock Music & Art Fair“. Ohne ausreichende Infrastruktur -  die Veranstalter mussten kurzfristig den Austragungsort wechseln und hatten weder ausreichend Absperrzäune noch Kassenhäuschen, zu wenige Essenstände und schlechtes Wetter - nahm auf den Weiden eines Milchbauern das Event seinen Lauf. 400.000 Zuschauer erlebten in der Nähe der Kleinstadt Bethel, 70 Kilometer von Woodstock entfernt, die drei Tage dauernden Auftritte von Größen der musikalischen Hippie-, Rock- und Subkultur.

Begleitet von Organisationsdesaster, Platzregen, Verkehrschaos, Wolkenbrüchen, Drogenrausch und dem Engagement unzähliger Helfer, die Essen heranbrachten und schlussendlich eine Katastrophe verhinderten, wurde das Fest zum Erfolg. Und dank des Line Up von Größen aus Folk, Rock, Psychedelic Rock, Blues und Country zum Mythos. Dazu trug auch der Dokumentarfilm "Woodstock" (1970) bei, der das Festivalgeschehen und die Auftritte von Joe Cocker, Joan Baez oder Jimi Hendrix zur Legende werden ließ.

Woodstock wurde postum immer wieder als Festival der Hippie-Bewegung bezeichnet. Doch im Grunde war es eine Manifestation der damaligen US-amerikanischen jugendlichen Gegenkultur, die aus unterschiedlichen subkulturellen Gruppen bestand. Geprägt von der Auseinandersetzung um den katastrophalen Krieg in Vietnam und geschockt von der Serie politischer Morde, der John F. Kennedy, Martin Luther King, Malcolm X und Robert F. Kennedy zum Opfer gefallen waren, wehrte sich die junge Generation gegen den aggressiven Kurs der USA. Die Jugend war politisch geworden und hatte eine medial wirksame Massenkultur hervorgebracht.

Die eigentliche Hippie-Bewegung erlebte ihren Höhepunkt bereits zuvor, im Summer of Love 1967. Die US-amerikanische Fotografin Ruth-Marion Baruch (1922-1997) hat in ihrer berühmtem Serie "Haight Ashbury" einen der Hotspots festgehalten. Haight-Ashbury ist ein Stadtteil von San Francisco, benannt nach der Kreuzung von Haight Street und Ashbury Street. In den 1960er Jahren wurde das Viertel durch die Beatnik- und die Hippie-Bewegung berühmt, aber auch durch Musikgruppen wie Grateful Dead und Jefferson Airplane, die dort zeitweise lebten.

Ein wichtiger Treffpunkt war der Golden Gate Park in direkter Nachbarschaft des Viertels. Dort entstand im Summer of Love Baruchs Serie, zu der diese Aufnahme eines Hare Krishna-Tanzes zählt. Die Sehnsüchte der Jugend nach einer friedlichen Gesellschaft finden hier einen unvergleichlichen Ausdruck. Das Museum Ludwig besitzt einen von fünf Vintage Prints des Motivs. 

M. Hamann