Ein Geschenk des Himmels?

Bild der 27. Woche - 8. Juli bis 14. Juli 2019

Heinz Mack: Columne pro Caelo, 1984. Granit, 980 x 148 x 156 cm. Köln, Museum Ludwig, Inv.-Nr. ML/SK 5089 (Foto: RBA). © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Heinz Mack: Columne pro Caelo, 1984. Granit, 980 x 148 x 156 cm. Köln, Museum Ludwig, Inv.-Nr. ML/SK 5089 (Foto: RBA). © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Sie war sozusagen ein Geschenk des Himmels. Denn als die Columne pro Caelo, zu deutsch: Himmelssäule, vor 35 Jahren auf der Kölner Domplatte errichtet wurde, wollte sich offiziell niemand zu dem granitfarbenen Monolith bekennen -  auch wenn der Rat der Stadt Köln in seiner Sitzung am 24. Mai 1984 die Schenkung mit großem Dank angenommen hatte. Mehr als 60 Tonnen schwer und fast 10 Meter hoch, ragt die rechteckige Säule auf dem Domplatz auf und erweckt durch ihr Kapitell aus vier auf den Kopf gestellten Pyramidenstümpfen, die nach oben hin höher werden, den Eindruck, als recke sie sich dem Himmel entgegen. Sie ist das Kunstwerk des Bildhauers Heinz Mack, der sie eigens für einen der Kölner Lions' Clubs entwarf. Die Wohltätigkeitsorganisation wollte mit dem Monolith ein Zeichen ihrer Aktivität in Köln setzen.

Doch kurz vor der feierlichen Übergabe des Geschenks an die Stadt Köln zog sich die Spitze des Vereins aus nicht näher genannten Gründen von dem Objekt zurück. Es wird vermutet, dass es an der künstlerischen Ausführung der Säule oder an falsch kalkulierten Kosten gelegen haben könnte. Erst 29 Jahre später bekannten sich die Lions zu ihrer Schenkung und verewigten sich mit der Anbringung eines Emblems am Fuß der Stele als Stifter des Kunstwerkes.

Durch ihre aufwändige Kannelierung, die die Säule wie ein Band umschließt und nach unten hin enger wird, könnte man glauben, dass der Monolith unter seinem eigenen Gewicht in sich zusammensackt. Durch ihre Platzierung gegenüber des Doms geht die Himmelssäule gewissermaßen einen Dialog mit der gigantischen Kirche ein. Zum einen strecken sich beide Gebäude nach oben, dem Himmel entgegen, zum anderen symbolisiert ihre pure steinerne Masse geistiges und gestliches Gewicht. Aus portugiesischem Granit geschaffen, kontrastiert die rauhe Erscheinung der Columne pro Caelo mit der feingliederigen Gotik des Kölner Doms und bildet einen reizvollen Gegensatz zu seiner Seitenfassade.

Der Bildhauer und Maler Heinz Mack, 1931 im hessischen Lollar geboren, wurde durch seine experimentellen Arbeiten mit Lichtelementen bekannt. 1957 gründete er zusammen mit Otto Piene die Künstlergruppe ZERO in Düsseldorf, deren Mitglieder sich auf die Gestaltung lichtkinetischer Objekte spezialisiert haben. Sein Gesamtwerk ist jedoch weitaus vielseitiger und umfasst neben Malerei, Zeichnungen und Fotografien auch die Gestaltung von öffentlichen Plätzen durch Skulpturen und Bühnenbildern. Mack wurden viele künstlerische Auszeichnungen und Preise verliehen. 1958 wurde er mit dem Kunstpreis der Stadt Krefeld ausgezeichnet, erhielt 1963 den Premio Marzotto und nur zwei Jahre darauf den 1. Prix des Arts Plastiques der 4. Biennale de Paris. Neben der Teilnahme an der documenta II (1959) und III (1964) nahm Heinz Mack 1970 auch an der XXXV. Biennale in Venedig teil. 2011 wurde er mit dem „Großen Verdienstkreuz mit Stern“ der Bundesrepublik Deutschland geehrt und 2015 einstimmig zum Ehrenmitglied der Kunstakademie Düsseldorf gewählt. Die documenta II öffnete am 11. Juli 1959 ihre Tore. Ein zweiter Grund, diese Woche an die Himmelssäule zu erinnern.

J. Keller