Köln an der Seine

Bild der 35. Woche - 2. September bis 8. September 2019

Karl Hugo Schmölz: Blick auf den Eiffelturm, links das Deutsche Haus, rechts der sowjetische Pavillon, 1937 © Archiv Wim Cox

Karl Hugo Schmölz: Das Deutsche Haus und der Kölner Pavillon, 1937 (Foto: RBA)

Paris, Sommer 1937. Die Nationen der Welt geben sich auf der Weltausstellung gegenüber des Eiffelturms ein Stelldichein. Doch die Idee einer friedvollen Leistungsschau wird erheblich getrübt. Das Bild des sowjetischen und deutschen Pavillons am Ufer der Seine ist noch heute im kollektiven Gedächtnis. Gegenüber des Eiffelturms, dem Symbol der Pariser Weltausstellung von 1889, erheben sich die Monumentalskulpturen von Arbeiter und Kolchosbäuerin mit Hammer und Sichel rechts und der gigantische Turm des "Deutschen Hauses" mit Reichsadler und Hakenkreuz links: Es ist die Konfrontation jener Regime, die der Demokratie in Europa ein vorläufiges Ende bereiteten.

Auf der Rückseite des Deutschen Hauses von Albert Speer findet sich ein weiteres Gebäude, das bis vor kurzem fast völlig vergessen war: der Kölner Pavillon. Als einzige Stadt weltweit errichtet Köln – ermutigt von französischer Seite – ein eigenes Gebäude. An prominenter Stelle, mit einem Restaurant zur Seine hin, in dem Bitburger Pils gereicht wird. Das faschistische Pathos des „Deutschen Hauses“ von Albert Speer steht in eklatantem Kontrast zur Leichtigkeit des Kölner Pavillons, entworfen von Josef Op Gen Oorth. Doch beides sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Nach vorn hin Faschismus in Reinform, hinten seine gemütliche Variante. Denn der Kölner Pavillon war durchaus eng mit dem NS-Regime verquickt. Reichspropagandaminister Goebbels wollte Juden und Deutschen im französischen Exil sogar den Zugang verbieten - was allerdings nicht gelang.

Die bekannten und unbekannten Aufnahmen der Weltausstellung und des Deutschen Hauses stammen von den Kölner Fotografen Hugo Schmölz und seinem Sohn, dem damals 19-jährigen Karl Hugo Schmölz. Er wurde in den 1950er Jahren zu einem der prägenden Fotografen seiner Zeit, doch seine Karriere begann mit den Aufnahmen in Paris 1937. Die Glasplatten haben die Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs in einem Keller im Kölner Klingelpütz überstanden. Heute gehören sie zum Archiv der Fotografen Wim und Maurice Cox – ebenfalls Vater und Sohn, ebenfalls in Köln zuhause.

Den Auftritt Kölns auf der Pariser Weltausstellung rekonstruiert derzeit eine Ausstellung des Kölnischen Stadtmuseums. Darin geht es um die Geschichte des Pavillons, die Selbstinszenierung der Domstadt an der Seine und die Aktivitäten der Regimegegner, die häufig Paris zum Ort ihres Exils gemacht hatten. Zahlreiche unbekannte Quellen, Kunstwerke aus Kölner Museumsbesitz, die damals in Paris gezeigt wurden, vor allem aber die bisher weitgehend unveröffentlichten Aufnahmen der Familie Schmölz zeigen eine interessante und beklemmende Facette kölnisch-französischer Geschichte.

Paris, Sommer 2019. heute erinnert nichts mehr an diese Episode deutsch-französischer Beziehungen. An der Stelle des Deutschen Hauses findet sich eine Imbissbude, unten an der Seine dümpelt ein Hausboot. Umso wichtiger ist diese Ausstellung.

M. Hamann