Das Bogenfeld von St. Pantaleon

Bild der 29. Woche - 22. Juli bis 28. Juli 2019

Tympanon aus dem Benediktinerkloster St. Pantaleon
Köln, 3. Viertel 12. Jahrhundert. Kalkstein mit Resten der Farbfassung, 109 x 173 x 29 cm. Museum Schnütgen, Inv. K 118

Das Museum Schnütgen hat einen neuen Auswahlkatalog veröffentlicht, der im Museum und im Buchhandel erhältlich ist. Das „Handbuch zur Sammlung ist auf Deutsch und Englisch erschienen. Prachtvoll ausgestattet umfasst es 280 Katalogtexte zu ausgewählten Kunstwerken, die einen repräsentativen Eindruck von der Bandbreite und Qualität der Sammlung vermitteln.

Zum ersten Mal seit 50 Jahren liegt damit wieder ein derartiges Buch vor, das in allgemeinverständlicher Weise die Bedeutung und Schönheit der Werke verdeutlicht und zugleich den aktuellen Stand der Forschung erschließt. In einer kleinen Serie stellen wir daher in unserem "Bild der Woche" Werke des Museum Schnütgen vor. Diesmal ist es das Tympanon von St. Pantaleon in Köln.

Das farbig gefasste Tympanon befand sich ursprünglich am Nordportal der Abteikirche, das als Eingang vom Kreuzgang in den Kirchenraum diente. Dieser Lage entsprechend nimmt das Bildprogramm Bezug auf hochverehrte Persönlichkeiten des Klosters und bettet sie in einen heilsgeschichtlichen Rahmen ein. Den Mittelpunkt der Komposition bildet die sog. Deesis, ein aus der byzantinischen Kunst abgeleitetes Bildschema. Hier erscheint Christus als Weltenrichter mit dem Buch des Lebens zwischen den wenig kleineren Figuren der Gottesmutter zu seiner Rechten und des Johannes Baptista zu seiner Linken, die sich mit erhobenen Händen fürbittend zu ihm wenden.

Der Deesis beigesellt sind zwei noch kleinere Figuren, links der hl. Pantaleon als Kirchenpatron, rechts mit Bischofsstab der von den Mönchen als Heiliger verehrte Klostergründer, Erzbischof Bruno von Köln (953-965). Pantaleon und Bruno verweisen auf die Ursprünge des Klosters, sind aber hier wie Maria und Johannes auch Fürbitter der Mönche vor Christus.

Die Rangfolge der Figuren drückt sich einerseits in ihrer abnehmenden Größe aus, die auch der vorgegebenen Form des Portalbogens folgt, andererseits in der Gestaltung der Nimben (die Köpfe sind während der französi-schen Besatzung Kölns abgeschlagen worden). So wird Christus durch einen Kreuzmuschelnimbus ausgezeich¬net, Maria durch einen Muschelnimbus, Johannes und Pantaleon durch einfache Heiligenscheine.

Die Forschung hat sich lange mit der Frage nach der Abfolge der Tympana von St. Pantaleon und St. Cäcilien befasst. Heute sieht sie die beiden Werke als zwar zusammenhängende, doch sehr individuelle Produkte des Zeitstils um 1150-75. Beide Werke verarbeiten auf unterschiedliche Weise Impulse aus dem lokalen Stilidiom, aus Byzanz sowie aus der provinzialrömischen Skulpturproduktion. Beim Pantaleontympanon überwiegen ikonografisch und stilistisch die byzantinischen Anklänge. Stilistisch zeigen sie sich vor allem bei der Christusfigur, die eine kontrapostähnliche Haltung und eng anliegende Gewänder aufweist. Die Figur findet eine darin eng verwandte Entsprechung in einer Apostelfigur in den Fresken der um 1150-55 ausgemalten Unterkirche von St. Clemens und Maria in Schwarzrheindorf. Möglicherweise gehen beide Darstellungen auf dasselbe oder ein ähnliches byzantinisches bzw. byzantinisierendes Vorbild zurück.

M. Hamann