Von Zeit zu Zeit - Blick auf den Dom

Bild der 34. Woche - 26. August bis 1. September 2019

Hugo Schmölz: Burgmauer mit Dom, um 1924 (Kölnisches Stadtmuseum/RBA)

Karl Hugo Schmölz: Burgmauer mit Dom, 1947 (Kölnisches Stadtmuseum/RBA)

Helmut Buchen: Burgmauer mit Dom, 1993/94 (Kölnisches Stadtmuseum/RBA)

Marion Mennicken: Burgmauer mit Dom, 2018 (Kölnisches Stadtmuseum/RBA)

1947. Der junge Kölner Fotograf Karl Hugo Schmölz (1917-1986) dokumentiert im Auftrag des städtischen Nachrichtenamtes das zerstörte Köln der Nachkriegszeit. Er orientiert sich dabei an früheren Aufnahmen, die er und sein Vater Hugo in den Jahren 1924 bis 1942 angefertigt haben. Vom gleichen Standpunkt aus fotografiert er die Plätze, Gebäude und Straßen noch einmal. Es entstehen eindrucksvolle Zeugnisse von der Zerstörung des alten Köln.

1994. Das Kölnische Stadtmuseum zeigt diese Zeitdokumente in einer beeindruckenden und erfolgreichen Ausstellung. Darin werden die Stadtporträts von Hugo und Karl Hugo Schmölz gemeinsam mit aktuellen Fotografien der damaligen Orte präsentiert. Sie stammen von Fotografen des Rheinischen Bildarchivs: Helmut Buchen, Wolfgang F. Meier und Marion Mennicken. Und wieder sind sie - soweit möglich - aus demselben Blickwinkel aufgenommen.

2019. Ein Vierteljahrhundert später wird die Serie von Stadtporträts noch einmal erweitert. Aktuelle Bilder des Rheinischen Bildarchivs von Michael Albers und Marion
Mennicken ergänzen die Motive zum Quartett. Auf eindringliche Weise stellt die Ausstellung nun das alte, das zerstörte, das moderne und das gegenwärtige Köln nebeneinander.

Die Serien erlauben spannende Vergleiche. Was ist noch erhalten, was verschwunden? Wie verändert sich die Möblierung der Stadt? Welchen Moden folgen Schaufenster, Straßenlaternen und Werbetafeln? Und vor allem: Wie verändert sich der öffentliche Raum? Wird er vom Ballast befreit oder verschandelt? Allein unser Quartett mit der Ansicht des Doms von Westen zeigt eindrücklich diese Veränderung.

Das runde Gebäude am linken Bildrand birgt im Kern einen Turm der römischen Stadtbefestigung. Im Krieg fast zerstört, erhebt er sich aus den Ruinen wieder. Das klassizistischen Gebäude gegenüber, An der Burgmauer 1,  hingegen hat den Krieg einigermaßen überstanden, während die Nachbargebäude auf der gleichen Straßenseite zerstört wurden. Unverbaut ist nach wie vor der Blick auf die Westfassade des Doms. Doch nicht immer sind die Ansichten derart unverändert. Die Ausstellung bietet an spannende Entdeckungsreise durch die Straßen der Kölner Altstadt.

M. Hamann