Früh am Dom

Bild der 28. Woche - 15. Juli bis 21. Juli 2019

Unbekannter FotograF. Straßenzeile Am Hof, rechts angeschnitten das Brauhaus Cölner Hofbräu, um 1904 (Foto: RBA)

„Stuttgarter Hofbräu“ oder das „Hofbräuhaus München“: Viele deutsche Brauereien und Gasthäuser werben auch heute noch mit langer adelsherrschaftlicher Tradition für ihr Bier. Doch andes als die süddeutschen Kollegen verdankt das „Früh“-Kölsch seinen vermeintlichen Adelstitel gerade keinem Blaublüter, sondern seiner exponierten Lage am „Domhof“, dem heutigen Roncalli-Platz, nur wenige Meter vom Kölner Dom entfernt.

Im Gebäude des ehemaligen „Central Theaters“, Am Hof 12, errichtete Peter Josef Früh kurz nach der Jahrhundertwende ein Brauhaus: das Cölner Hofbräu P. Josef Früh. Der Plan des renommierten Brauers wurde jedoch zunächst skeptisch betrachtet. Zu modern sei das Haus – und daher nicht geeignet für die typische kölsche Brauhausatmosphäre. Die kritischen Stimmen waren jedoch schnell verstummt. Schon bald wurde sein im Herbst 1904 eröffnetes Brauhaus an der Südseite des Doms ein beliebtes Ziel für Gäste aus Köln und der weiten Umgebung. An der Geschichte des Brauhauses am Dom lässt sich die wechselhafte Stadtgeschichte Kölns im 20. Jahrhundert nachzeichnen: Inflation, schwarzer Freitag und Weltwirtschaftskrise.

Doch besonders hart traf es die Kölner Brauer dann im Zweiten Weltkrieg, als gut 90% der Kölner Innenstadt in Schutt und Asche lagen – und auch das Brauhaus am Dom nicht verschont blieb. Durch mehrere schwere Bombenangriffe stark beschädigt, brannte das Haupthaus im Februar 1944 bis auf die Grundmauern aus. Nur zwei Kölner Brauereien blieben nach dem Krieg übrig – die Brauereien Dom und Sünner. In den Wirren der Nachkriegszeit waren die Hauptzutaten für das Kölsch nur schwerlich zu beschaffen. So musste die Hefe für das erste Nackriegsbier extra aus Kopenhagen angeschafft werden. Bald lief dann auch die Produktion im Brauhaus am Dom wieder an. Bis 1950 wurde die Fassade und das Innere des Hauses wiederhergestellt. Die nächsten Jahrzehnte standen schließlich im Zeichen des Wirtschaftswunders und des Aufstieges des Kölsch zur überregional bekannten Marke.

Während der Platz vor dem Brauhaus zur Gründungszeit noch mit Droschken befahren werden konnte, ist das ganze Areal heute Fußgängerzone - zur Freude von Brauerei und Gästen. Inzwischen gehört die ganze Häuserzeile zu Früh, und bis spät am Abend lasst sich das Kölsch auch unter freiem Himmel genießen - vielleicht mit Blick auf den Mond, im Gedenken an die Monlandung vor nunmehr 50 Jahren.

M. Binkele