Zum Jakobustag. Pilgern früher

Bild der 30. Woche - 25. Juli bis 31. Juli 2016

Der heilige Jakobus der Ältere vom Klarenaltar im Kölner Dom, Köln, um 1360. Nussbaum, farbig gefasst, H. 56,6 cm, Inv. A 770 (Foto: RBA Köln)

Die mittelalterliche Holzskulptur aus dem Museum Schnütgen zeigt einen bärtigen Heiligen, der in seiner geschlossenen, leicht geschwungenen Körperhaltung Würde und Eleganz ausstrahlt. Die schmale Silhouette wird von den lang herabfallenden Falten seines vergoldeten Mantels betont und seine Hände umfassen dicht am Körper ein Buch und ein (nur noch als Griff erhaltenes) Schwert als Erkennungszeichen. Das wichtigste Attribut zur Identifikation der Figur ist jedoch die große Schließe, die den Mantel vor der Brust zusammenrafft: Die Muschel kennzeichnet die Skulptur als Darstellung des heiligen Jakobus des Älteren.

Am 25. Juli, dem Jakobstag, gedenken viele Christen des Pilgerpatrons Jakobus. Als „der Ältere“ oder „der Große“ (lat. major) wird er bezeichnet, um ihn von seinem Namensvetter Jakobus „dem Jüngeren“, der wie er zu den zwölf Jüngern Jesu zählt, zu unterscheiden. Noch heute ist der nach ihm benannte Jakobsweg der bekannteste und wohl meistgenutzte Pilgerweg in Europa. Dabei kann die Wallfahrt ins nordspanische Santiago de Compostela auf eine mehr als 1000-jährige Tradition zurückblicken. Wiederbelebt wurde sie in neuester Zeit auch durch Hape Herkelings Buch über seine persönliche Wanderung auf dem Jakobsweg.

Die Legenden um den namengebenden Heiligen, der als erster Apostel als Märtyrer starb, sind zahlreich. Eine berichtet, dass Gefährten Jakobus nach seinem Tod in ein Schiff ohne Ruder betteten, das schließlich in Galizien anlandete. Der Leichnam wurde dort beerdigt und das Grab geriet zunächst in Vergessenheit. Der „Wiederentdeckung“ im frühen 9. Jahrhundert folgte der Bau einer Kirche, in der die Gebeine des Heiligen beigesetzt wurden.

Schon bald zog das Märtyrergrab immer mehr Pilger an, die sich von der Nähe zu den Reliquien, den sterblichen Überresten des Heiligen, eine heilsbringende Wirkung erhofften. Im 11. Jahrhundert wurde mit dem Bau der Kathedrale von Santiago de Compostela begonnen. Zeitweise reisten im Mittelalter mehr Gläubige in das galizische Pilgerzentrum als nach Rom und in Skandinavien wurde Spanien das „Jakobsland“ genannt. Bis heute gewährt die katholische Kirche in den Jahren, an denen der Jakobstag auf einen Sonntag fällt (das nächste Mal 2021), den Wallfahrern zum Grab des Jakobus einen vollkommenen Ablass, also die Erlassung aller zeitlichen Sündenstrafen.

Der heilige Jakobus im Museum Schnütgen gehörte zum Skulpturenprogramm des Klarenaltars. Der Altar stammt aus dem ehemaligen Kölner Franziskanerinnen-Kloster St. Klara und befindet sich heute im Dom. Unsere Holzfigur war Teil der Apostel-Reihe, die im inneren Schreinkasten des mächtigen Flügelaltars aufgestellt ist. Zu sehen war sie früher nur an hohen Feiertagen, an denen der Altar vollständig geöffnet wurde. Im 19. Jahrhundert erfuhren viele der Skulpturen eine Überarbeitung, einige wurden gänzlich neu geschaffen. Im ursprünglichen Zustand mit einer Farbfassung aus dem Mittelalter sind nur die beiden Jakobus-Figuren – auch „der Jüngere“ wird im Museum Schnütgen bewahrt – erhalten.

Ab dem 8. Oktober ist die Skulptur für einige Monate als Leihgabe im benachbarten Rautenstrauch-Joest-Museum zu Besuch. Dort widmet sich die große Sonderausstellung „Pilgern. Sehnsucht nach Glück?“ (8.10.2016 – 9.4.2017) dem sinnsuchenden Reisen in seinen unterschiedlichen Facetten. Der mittelalterliche Jakobus aus dem Museum Schnütgen wird natürlich in der Abteilung zur Pilgerstätte Santiago de Compostela und dem Jakobsweg zu finden sein.

I. Metje