Kämme statt Kaiserreich

Bild der 28. Woche - 11. Juli bis 17. Juli 2016

Michel Tuffery: Siamani Kokosnüsse Plantation Mulinu‘u, limitierte Auflage
2011. Acryl, Rimu-Holz (Dacrydium cupressinum); Lasercut: o. I. 
Dauerleihgabe der Museumsgesellschaft RJM e. V. (Foto: Oliver Lueb)

Michel Tuffery: Siamani Kokosnüsse Plantation Mulinu‘u, limitierte Auflage
2011. Acryl, Rimu-Holz (Dacrydium cupressinum); Lasercut: o. I.
Dauerleihgabe der Museumsgesellschaft RJM e. V. (Foto: Oliver Lueb)

Michel Tuffery: Siamani Kokosnüsse Plantation Mulinu‘u, limitierte Auflage
2011. Acryl, Rimu-Holz (Dacrydium cupressinum); Lasercut: o. I.
Dauerleihgabe der Museumsgesellschaft RJM e. V. (Foto: Oliver Lueb)

Michel Tuffery: Siamani Kokosnüsse Plantation Mulinu‘u, limitierte Auflage
2011. Acryl, Rimu-Holz (Dacrydium cupressinum); Lasercut: o. I.
Dauerleihgabe der Museumsgesellschaft RJM e. V. (Foto: Oliver Lueb)

Mit aufwendig gearbeiteten Zierkämmen schmückten Menschen in der Südsee traditionell ihre Frisuren, so auch in Samoa bzw. im damaligen „Schutzgebiet“ Deutsch-Samoa (1900-1914) des deutschen Kaiserreiches.

Der neuseeländische Künstler Michel Tuffery (geb. 1966, mit familiären Wurzeln in Samoa, Tahiti und den Cook-Inseln) kommentiert mit seinen Werken kritisch und oftmals humorvoll-überraschend die historischen Verflechtungen zwischen den pazifischen Inseln und der westlichen Welt. In seinem multimedialen Werkzyklus Siamani Samoa widmet er sich den deutsch-samoanischen Beziehungen.

Siamani ist, vom englischen Germany abgeleitet, die samoanische Bezeichnung für Deutschland. Zu dem Zyklus gehört u. a. die limitierte Serie The Siamani-Samoa-Selu. Mit ihr greift Tuffery die Form traditioneller samoanischer Zierkämme (selu) auf und fügt diese mit Motiven von aus Deutschland eingeführten und in Samoa adaptierten Ideen zusammen. Nach eigener Aussage inspirierten ihn besonders die Holzverzierungen an kolonialen Bauwerken zu diesem Werk. Als Vorlagen der einzelnen Motive für die Kämme nutzt Tuffery neben noch erhaltenen repräsentativen Gebäuden historische Fotografien von nicht mehr existierenden Bauwerken, etwa der infolge des Erdbebens im Jahr 2009 abgerissenen katholischen Kathedrale in Apia. Gleich mehrfach thematisiert Tuffery auch die Einflussnahme der deutschen Siedler auf die Umwelt Samoas.

So rückt Siamani Kokosnüsse Plantation Mulinu’u die im Westen der Landeshauptstadt Apia gelegene Halbinsel Mulinu’u in den Mittelpunkt. Dort befand sich damals der Sitz des Gouverneurs und tagt heute das samoanische Parlament. Nach Tuffery dominierten tausende Kokosnusspalmen die Landschaft: „Die alten, absolut gradlinig angelegten Kokosnuss-Plantagen sind ein […] deutliches Relikt, geradezu ein Fingerabdruck des deutschen Einflusses auf die samoanische Landwirtschaft.“

Tuffery legte jedes Motiv der Kämme in den drei Farben Schwarz, Weiß (naturfarben) und Rot auf. Sie entsprechen den Farben der seinerzeit für die Kolonie geplanten Flagge, die zwar nie offiziell in Samoa gehisst wurde – weil Deutschland den Ersten Weltkrieg verlor und Samoa anschließend bis zur Unabhängigkeit im Jahr 1962 neuseeländisches Schutzmandat war –, sich aber in einigen Haushalten mit deutschen Verwandtschaftsbeziehungen bis heute erhalten hat. Die Farbe Rot überführte Tuffery in ein Hot Pink, mit dem er den Zustand der deutsch-samoanischen Geschichte ausdrücken möchte, die er sowohl interessant als auch problematisch sieht – eben hot.

O. Lueb