Ein Grabstein des 5./6. Jahrhunderts nahe St. Gereon

Bild der 20. Woche - 16. Mai bis 22. Mai 2016

Grabstein nahe St. Gereon, 5./6. Jh. Kalkstein, H 67 cm, Inv. Nr. 2011, 20
(Foto: © RGM und RBA / Anja Wegner)

Das Publikum kennt sie aus vielen Veranstaltungen und liebt ihre tiefgründige, humorvolle und hintersinnige Art der Vermittlung. Nun geht Dr. Beate Schneider, die stellvertretende Direktorin des Museumsdienstes Köln, in den Ruhestand. Mit einer kleinen Serie im "Bild der Woche" verabschieden wir uns von einer geschätzten Kollegin, Kennerin und wunderbaren Vermittlerin der Kölner Antike.

Aus Köln sind etwa 50 Grabinschriften der Spätantike und des frühen Mittelalters überliefert. Alle stammen von den Friedhöfen um St. Gereon, St. Severin und St. Ursula. Vergleicht man diesen Bestand mit dem aus Trier, so ist er vergleichsweise gering. Zurückzuführen ist dies darauf, dass in Köln – im Gegensatz zu Trier – seit der Spätantike keine Steinbrüche in Nutzung waren. Grabsteine wurden daher bei Baumaßnahmen oft wieder verwendet. Und Kalkstein wurde vielfach zu Kalkmörtel gebrannt.

Trotzdem bezeugen die Kölner Inschriften, dass die lateinische Sprache zumindest von Teilen der städtischen Gesellschaft im 5./6. Jahrhundert gesprochen wurde. Offenbar gab es in Köln bis in das 6. Jahrhundert hinein Schulen, in denen Latein gelehrt wurde. Auch in der fränkischen Colonia lebte eine zahlenmäßig starke Gruppe, die sich in lateinischer Sprache unterhielt, Texte schrieb und römische Sitten und Gebräuche pflegte.

Die Grabsteine mit frühchristlichen Inschriften sind ein sicherer Beleg romanischer Bevölkerungs- und Sprachkontinuität. Romanen und Franken der städtischen Gesellschaft bestatteten ihre Toten vor den Mauern der Stadt (extra muros), nahe den Gräbern der Märtyrer und Heiligen (ad martyros / ad sanctos). Das Grab schmückte in der Regel eine Grabplatte oder ein Grabstein mit Inschrift, christlichen Symbolen oder geometrischen Ornamenten, so wie im Fall des Kindes Vitalis.

 

M. Trier