Blumen für die Zarin

Bild der 27. Woche - 4. Juli bis 10. Juli 2016

Johann Friedrich Eberlein (Modell) und Porzellanmanufaktur Meissen, Ausformung: Deckelterrine mit Untersatzschale aus dem Service der Zarin Elisabeth, 1741 / 1745. Porzellan, im Model geformt, staffiert und vergoldet, Inv. Nr. E 1419 (Foto: RBA)

Johann Friedrich Eberlein (Modell) und Porzellanmanufaktur Meissen, Ausformung: Deckelterrine mit Untersatzschale aus dem Service der Zarin Elisabeth, 1741 / 1745. Porzellan, im Model geformt, staffiert und vergoldet, Inv. Nr. E 1419 (Foto: RBA)

Die prächtige Terrine mit lyraspielendem Apoll und Untersatzschale gehört zu einem größeren Service, von dem sich heute noch über vierzig Teile in der Eremitage in St. Petersburg befinden. Dies legt die Vermutung nahe, dass auch die Kölner Terrine einstmals in den Besitz der Zarin Elisabeth von Russland gelangte. In den Archiven der Meissener Porzellanmanufaktur ist verzeichnet, dass Johann Friedrich Eberlein (1695-1749) am 30. Juni 1741 das Modell eines sitzenden Apollon, "auf der Harffe spielend, nebst dreyen Kindern, wovon das 1ste mit einer Fleute de travèrs, 2te mit eine Laute, 3te mit einer Notenbuch vorgestellt sind" vollendete. Das Terrinenmodell, das die Figuren schmücken sollten, wurde für ein Service geschaffen, das ursprünglich der Berliner Bankier und Kaufmann Johann Ernst Gotzkowsky bei der Meissener Manufaktur in Auftrag gegeben hatte und für das eigens das so genannte Gotzkowsky-Blumenreliefdekor entworfen wurde.

Dieses Dekor ziert auch die Fahne und den Spiegel der Untersatzschale sowie den Spitzhaubendeckel der Terrine selbst. Die Mitte der Untersatzschale ist mit einem prachtvollen Blumenbukett in "Holzschnitt-Manier" bemalt, das mit einem blauen Band gebunden ist. Die Vorlagen für die Blumenmalereien sind der berühmten Phytanthoza Iconographia des Regensburger Apothekers Johann Wilhelm Weinmann (1683-1741) entliehen, deren von 1737 bis 1745 edierten kolorierten Kupferstiche von der Meissener Manufaktur zwischen 1742 und 1745 sämtlich erworben wurden.

Die Kölner Terrine wurde 1911 aus dem Hofmarschallamt des Winterpalastes in die Eremitage übernommen und in den 1930er Jahren vom sowjetischen Staat veräußert. Das Pendant zur Kölner Terrine, von einer Minerva bekrönt, befindet sich heute in amerikanischem Privatbesitz. Es sind keine weiteren Exemplare solcher Terrinen bislang bekannt geworden.

Die im Detail voneinander abweichenden Dekorationselemente des sogenannten Elisabeth-Services, zum Beispiel einerseits die Bemalung mit "indianischen Blumen", andererseits wie hier mit "Holzschnittblumen", bezeugen, dass es sich ursprünglich um zwei unterschiedliche Service handelte, die später zu einem Ensemble zusammengeführt wurden. Sie entstanden in einem recht kurzen Zeitraum: 1741 sowie 1744 bis 1745. Das aufwendig dekorierte, prunkvolle Service diente vornehmlich repräsentativen Zwecken und ist eines der prächtigsten Porzellanensembles, das in den 1740er Jahren die Meissener Manufaktur verließ: ein wahrhaft bedeutsames Zeugnis der hochentwickelten europäischen Tischkultur der Mitte des 18. Jahrhunderts.

P. Brattig