Zum 20. Todestag von Peter Ludwig

Bild der 29. Woche - 18. Juli bis 24. Juli 2016

Wolf Vostell: Katalogcover "Kunst der sechziger Jahre im Wallraf-Richartz-Museum Köln", Köln 1969 (Foto: RBA)

Prof. Peter Ludwig vor Picassos "Harlekin" im Museum Ludwig
1994 (Foto: RBA)

Schenkung der Sammlung Haubrich an die Stadt Köln vor 70 Jahren, Gründung des Museum Ludwig vor 40 Jahren und Eröffnung des Museumsneubaus zwischen Dom, Hauptbahnhof und Rhein vor 30 Jahren – ein Jubiläumsdreiklang, den das Museum Ludwig 2016 feiert. Zugleich jährt sich in dieser Woche aber auch der Todestag von Peter Ludwig, der am 22. Juli 1996 verstarb, zum zwanzigsten Mal.

Sozusagen über Nacht wurden Peter und Irene Ludwig dem Kölner Kunstpublikum zum Begriff, als im Februar 1969 die legendäre Ausstellung „Kunst der sechziger Jahre – die Sammlung Ludwig“, damals noch in der Moderne-Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums, eröffnete. Öffentlichkeit, Kritiker und Medien reagierten enthusiastisch auf diese aktuellen, unverbrauchten Werke. Binnen weniger Monate sahen über 200 000 Menschen die Ausstellung, die bis heute in ihrer Dynamik den kulturpolitischen Geist Peter Ludwigs in idealer Weise charakterisiert und für ihn selbst eine Art Initialzündung darstellte. Den Katalog, ein wundervolles Buchobjekt, gestaltete damals Wolf Vostell mit Folien, Plexirücken und Schraubheftung; nicht zuletzt, damit folgende Auflagen in flexibler Erweiterung Peter Ludwigs rasantem Ankaufstempo auf diesem Gebiet Rechnung tragen konnten.

Das Cover zeigte in zeitkritischer Überblendung Ausschnitte von zwei der ausgestellten Werke und verwies damit auf ein Sammlungsspektrum, das eine Vielfalt aktueller gesellschaftlicher Phänomene zu spiegeln vermochte. Das schockierende Pressefoto von E.T. Adams aus dem Vietnam-Krieg, wie es Vostell für sein Bild „Miss America“ verwendet hatte, legte sich als Folie über den Gesichtsausschnitt einer Blondine von Roy Lichtenstein: „M-Maybe – a Girls Picture“, dieses überindividuelle Bildnis eines Mädchens, von Lichtenstein mit sicherem Gespür und dialektischer Raffinesse aus dem Fundus trivialer Comicstrips in die Sphäre der Hochkunst erhoben, Protagonistin eines Groschenheftchens und moderne Botticelli-Venus zugleich.

Im Jahr zuvor war das Lichtenstein-Gemälde Bestandteil der 4. documenta in Kassel gewesen, wenig später konnte Peter Ludwig es für seine im Entstehen begriffene Sammlung zeitgenössischer amerikanischer Kunst erwerben, die schon bald zu einer der weltweit bedeutendsten Pop Art Sammlungen avancierte. Für den vormaligen Sammler alter Kunst vermittelten diese Werke eine neue, faszinierende Jetztzeitigkeit, die auch anders war als die zeitlose Gültigkeit im Oeuvre Picassos, dessen Werke Peter und Irene Ludwig mit vergleichbarer Intensität sammelten.

Wie zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler das Museum Ludwig aktuell sehen, erleben wir ab dem 27. August in der großen Jubiläumsausstellung „Wir nennen es Ludwig“.

St. Diederich