Samt zum Christopher Street Day

Bild der 26. Woche - 27. Juni bis 3. Juli 2016

Andreas Janczyk: Galaanzug des Schauspielers Dirk Bach, um 2001. Samt, Inv.-Nr. KSM 2001 (Foto: RBA)

Peter H. Fürst: Dirk Bach, 2003. Fotografie (Foto: RBA / © VG Bild-Kunst, Bonn 2014)

anders.Leben! So lautet das diesjährige Motto des ColognePride. Die Aktionswoche für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, Transgendern und Intersexuellen findet ihren Höhepunkt im Kölner Christopher Street Day (CSD). Die Ziele der Demonstration sind die vollständige rechtliche Gleichstellung und die uneingeschränkte gesellschaftliche Anerkennung. Der ColognePride drückt aber auch Selbstbewusstsein und Lebensfreude aus. Einer, der Engagement und pralles Leben in sich vereinte, war Dirk Bach. Er setzte sich für die Gleichberechtigung von Homosexuellen ein und war Ehren- und Beiratsmitglied der Kölner Aids-Hilfe. Und er war nicht zu übersehen, was nicht zuletzt an seinen Kostümen lag.

Kostüme für das Format eines Dirk Bach zu schneidern, galt wohl in der Branche schon immer als besondere Herausforderung. Andreas Janczyk, Bachs in Köln beheimateter Leibschneider, stellte sich dieser Aufgabe mit Hingabe und überbordender Phantasie. So fertigte er dem „Dickie“, wie ihn Freunde und Kollegen respekt- und liebevoll nannten, über die Jahre hinweg die schillerndsten Garderoben. Ob nun für Bachs Auftritte als „Flora, die fliederfarbene Fledermaus“ oder als bissiger Conferencier im RTL-Dschungelcamp.

Geradezu dezent kommt jener samtene Galaanzug daher, in dem Bach 2001 eine der begehrtesten Film- und Fernsehtrophäen entgegennehmen konnte: Die seit 1966 alljährlich von der Programmzeitschrift „HÖRZU“ verliehene Goldene Kamera – für seine Titelrolle in der ZDF-Sitcom „Lukas“. Und das war nur ein Highlight einer beispiellosen rheinischen Karriere: Dirk Bach, 1961 als Spross zweier WDR-Angestellter aus Köln-Heimersdorf geboren, brillierte schon 1978 in seiner ersten Bühnenrolle im Kölner Jugendclub Kritisches Theater. Unter der Intendanz von Hans Günther Heyme spielte er in Heiner Müllers „Prometheus“. Bach, der nie eine Schauspielschule von innen sah, sammelte seine frühen Erfahrungen in Off-Theatern und der freien Szene.

Vor allem in den 1980er Jahren, gemeinsam mit Weggefährten wie Hella von Sinnen, mit der er in einer Kölner Wohngemeinschaft lebte. Sein komödiantisches Talent bewies Bach zu dieser Zeit erstmals in Walter Bockmayers Theater Die Filmdose – als „fesches Madel“ in der „Geierwally“. Nach Engagements am Bonner Improvisationstheater Die Springmaus und seit 1992 als festes Mitglied des Ensembles des Kölner Schauspielhauses entdeckte ihn das Fernsehen und er das Fernsehen für sich. Danach ging es Schlag auf Schlag und steil bergauf – mit der „Dirk Bach Show“, „Der kleine Mönch“, „Schillerstraße“ und schließlich mit seinen geistreich-bissigen Auftritten neben Co-Moderatorin Sonja Zietlow in „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“, mit dem das Trash-Format sogar Einzug ins seriöse Feuilleton und auf die Nominierungsliste des renommierten Deutschen Fernsehpreises hielt.

Ob als „Urmel auf dem Eis“, als „Konzentrationslager-Erhardt“ in der Bühnenadaption von Ernst Lubitschs „Sein oder Nichtsein“, als „Pepe“ in der „Sesamstraße“ oder Narr in Shakespeares „Was ihr wollt“: Bach beherrschte den Spagat zwischen leichtem und ernstem Fach, zwischen Qualität und Quote in Perfektion. Und er wusste seine immense Popularität eben gesellschaftlich zu nutzen: als erklärter Tierfreund und Aktivist der Organisation PETA. Und vor allem als bekennender Schwuler im entschlossenen Kampf gegen Diskriminierung und Ressentiments. Legendär waren seine BenefizPartys zugunsten der Kölner Aids-Hilfe.

„Wer tot ist, der wird ein Stern“, sollte Dirk Bach in seiner letzten Theaterrolle sagen, in der Berliner Inszenierung des „Kleinen Königs Dezember“. Dazu kam es nicht mehr. Am 1. Oktober 2012 verstarb er, plötzlich und für Freunde und Fans völlig unerwartet, an Herzversagen. Seine letzte Ruhe fand Bach auf dem Melatenfriedhof. Im Geiste ist er beim CSD mit von er Partie - im schönsten Kostüm der an fantastischen Outfits nicht gerade armen Demonstration.

R. Müller