Römisches Glas und Spottgefäße der Renaissance

Bild der 19. Woche - 9. Mai bis 15. Mai 2016

Römisches Glas und Spottgefäße der Renaissance, 4. und 16. Jh. Steinzeug bzw. Glas, H der Steinzeugbecher 11 cm, Inv. E 11271.1 und 2
(Foto: © RGM und RBA / Anja Wegner)

Das Publikum kennt sie aus vielen Veranstaltungen und liebt ihre tiefgründige, humorvolle und hintersinnige Art der Vermittlung. Nun geht Dr. Beate Schneider, die stellvertretende Direktorin des Museumsdienstes Köln, in den Ruhestand. Mit einer kleinen Serie im "Bild der Woche" verabschieden wir uns von einer geschätzten Kollegin, Kennerin und wunderbaren Vermittlerin der Kölner Antike.

Im Jahr 2003 wurden auf der südlichen Straßenseite des Filzengrabens, nahe der Mathiasstraße, archäologische Untersuchungen durchgeführt. Das Areal liegt unmittelbar außerhalb der Südwestecke der antiken Stadtmauer, inmitten eines ehemaligen Rheinarmes. In spätrömischer Zeit – ab dem frühen 4. Jahrhundert – wurde isoliert eine kleine Gruppe Gräber angelegt. Besonders reich ausgestattet war der Sarkophag eines etwa 17 Jahre alten Mädchens. Neben Flaschen aus Glas und Haarnadeln aus Bein enthielt das Grab einen prächtigen gläsernen Becher mit geschliffenem Dekor. Die hochwertige Arbeit – bislang ein Unikat unter den Gläsern dieser Zeit – wurde wahrscheinlich in einer Kölner Werkstatt gefertigt.

Mit dem Ende der römischen Periode scheint das Areal nicht mehr genutzt worden zu sein. Dies ändert sich im Hochmittelalter. An dieser Stelle entstand das Geburhaus des Bezirks Oversburg, der mittelalterlichen südlichen Vorstadt. Das Geburhaus diente als Versammlungsort, hier wurde der Bürgereid geleistet, Gericht gehalten und wichtige Dokumente aufbewahrt. Die ausgegrabenen Reste des Gebäudes lassen noch den Glanz des ehemaligen Anwesens erahnen.

Unmittelbar neben einem großen Saal befand sich im Hofbereich eine aus Tuffsteinen gemauerte, außergewöhnlich große Gemeinschaftslatrine. Unter den zahlreichen, daraus geborgenen Fundstücken sind besonders zwei Steinzeugbecher aus dem 16. Jahrhundert hervor zu heben. Dem modischen Geschmack folgend sind die Becher mit aufgelegten Medaillons im Renaissancestil verziert worden. Üblicherweise bedienten sich die Töpfer für diesen Dekor frommer Szenen aus der Bibel. In einigen Fällen – und dies ist auch bei den Funden vom Filzengraben der Fall – ist jedoch der Kopf eines Papstes dargestellt, der sich – dreht man das Gefäß um – in eine Teufelsfratze verwandelt. Solche Becher waren für eine protestantisch gesinnte Kundschaft bestimmt.

Besitz und Vertrieb dieser die katholische Kirche verspottenden Ware war keineswegs ungefährlich. Händlern, die solche Produkte – die der Kölner Stadtrat als „schendliches Gebacks“ verurteilte – verkauften, drohte die Haft und der Verweis aus der Stadt. Die Auffindung solcher „heißen Ware“ im Bereich des Geburhaus ist kennzeichnend für eine sehr unruhige Periode Kölns, in der selbst der Bischofsstuhl im Wind der neuen protestantischen Bewegung wackelte, und reformnahe Erzbischöfe wie Hermann von Wied (1546) und Gerhard Truchsess von Waldburg (1583) abgesetzt wurden.

T. Höltken