Ein Mann aus Kerpen

Bild der 48. Woche - 2. Dezember bis 8. Dezember 2013

Adolf Kolping
Visitkartenfoto von Friedrich Raps, 10,3 x 5,9 cm
Kölnisches Stadtmuseum – Graphische Sammlung

Als diese Fotografie entstand, war Kolping etwa 50 Jahre alt. Der Kölner Fotograf Friedrich Raps (1822–1876) arbeitete ab 1850 zunächst als Maler, bevor er sich 1862 der Fotografie zuwandte. Zehn Jahre später verkaufte er sein Fotoatelier. Das Foto muss also zwischen 1862 und 1865 entstanden sein.

Adolf Kolping wurde vor nunmehr 200 Jahren am 8. Dezember 1813 in Kerpen als viertes von fünf Kindern geboren. Seine Eltern waren Schäfer und Kleinbauern. Adolf besuchte die dörfliche Volksschule und begann mit 13 Jahren eine Schuhmacherlehre. Er arbeitete nach seiner Gesellenprüfung zunächst als Schuhmacher; seine Wanderschaft als Geselle führte ihn nach Sindorf, Düren, Lechenich und schließlich nach Köln. Anders als die meisten Gesellen hatte Kolping großes Interesse, sich weiterzubilden. Er wollte Priester werden. Mit Unterstützung der Kerpener Pfarrer Lauffs und Wollersheim gelang es ihm, 1837 die Aufnahmeprüfung für das katholische Marzellen-Gymnasium in Köln zu bestehen. Nach dem Abitur studierte er 1841/42 zunächst in München, nach 1842 in Bonn Theologie. Dabei half ihm ein Stipendium von Maria Helena Meller, einer Tochter des Gutsbesitzers, dessen Schafe Vater Kolping hütete. 1844 besuchte er das Priesterseminar in Köln, wo er im folgenden Jahr in der Minoritenkirche zum Priester geweiht wurde.

Adolf Kolping übernahm dann eine Stelle als Kaplan in Elberfeld. Hier, in der katholischen Diaspora, gründete er 1846 zusammen mit dem Lehrer Johann Gregor Breuer einen Gesellenverein, weil ihn das Elend der Handwerksgesellen betroffen gemacht hatte. Die Kolping-Familie sollte einen Ersatz für den nicht mehr vorhandenen Anschluss an die Meisterfamilie bieten.

1849 wurde Kolping auf eigenen Wunsch Domvikar in Köln, wo er im Mai mit 19 Gesellen auch den ersten Gesellenverein außerhalb Elberfelds ins Leben rief. Auf Anregung Kolpings schlossen sich die drei ältesten Vereine – Elberfeld, Köln und Düsseldorf – 1850 zum „Rheinischen Gesellenbund“ zusammen. Dieser wurde 1851 umbenannt in „Katholischer Gesellenverein“, um den Anschluss von Gesellenvereinen außerhalb des Rheinlandes zu ermöglichen. Bei Kolpings Tod gab es 418 Vereine mit 24.600 Mitgliedern. Schon 1853 war das erste Gesellenhaus in Köln in der Breite Straße eröffnet worden, seit 1854 gab Kolping die erfolgreiche katholische Wochenzeitung „Rheinische Volksblätter“ heraus und 1862 wurde er bei einer Romreise zum päpstlichen Geheimkämmerer und zum Rektor der Minoritenkirche ernannt.

Adolf Kolping starb am 4. Dezember 1865, vermutlich an einer Lungenkrankheit, die er sich als Schumachergeselle zugezogen hatte, und wurde auf dem Kölner Melatenfriedhof beerdigt. Fünf Monate später wurde er, seinem Wunsch gemäß, in der Minoritenkirche beigesetzt. 1991 wurde Kolping von der katholischen Kirche selig gesprochen.

R. Wagner