Goliath als Erzbischof

Bild der 42. Woche - 21. Oktober bis 27. Oktober 2013

Goliath  in Kampfausrüstung
Kölnisch, Mitte des 17. Jahrhunderts, Eichenholz, z. T. farbig gefaßt; H: 240 cm Kölnisches Stadtmuseum

David mit dem Haupt des Goliath
Kölnisch, Mitte des 17. Jahrhunderts, Eichenholz, z. T. farbig gefaßt; H: 240 cm Kölnisches Stadtmuseum

Diese lebensgroße, eicherne Goliath-Figur, deren Farbfassung eine Steinskulptur suggeriert, schmückte einst den Beginn einer Wendeltreppe im Haus Rosendahl, Mühlengasse 17. Sie ist die älteste Figur dieser Art in Köln. Zuvor hatte man als Treppenanfänger in niederländischer Tradition hölzerne Säulen mit wappenhaltenden Tieren verwendet.
Die Kölner Kaufmannsfamilie Pelser, deren Wappen den Schild Goliaths ziert, erwarb das Haus Rosendahl 1612. Gleichzeitig mit der Prunkdecke des Saales wurde zwischen 1630 und 1652 die Treppe hergestellt – der Kölner Tradition und der Enge der Häuser entsprechend als Wendeltreppe. Am Beginn der Treppe standen sich unsere Figur des Goliath und die Figur des Davids mit der Schleuder gegenüber, wobei Goliath durch den Sockel, auf dem der Kampf dargestellt ist, noch erhöht wurde. Auf der nächsten Etage bildete die Figur des triumphierenden David mit dem abgeschlagenen Haupt Goliaths – s. Bild rechts, heute ebenfalls im Kölnischen Stadtmuseum – den Treppenanfänger. Den Abschluss bildete eine bärtige Pophetenfigur – vermutlich Samuel, der David einst salbte (Kriegsverlust).
In der Kölner Wohnkultur des 16. und 17. Jahrhunderts spielte die republikanische Thematik des Schwachen, der mit Gottes Hilfe den Tyrannen besiegt, eine große Rolle. Neben den Darstellungen alttestamentlicher Gestalten wie David und Judith erfreuten sich auch solche der antiken Mythologie wie Herkules und Lucretia großer Beliebtheit. Sie symbolisierten den Kampf gegen eine übermächtige Fremdherrschaft. In Köln fußte diese Beliebtheit auf realen historischen Ereignissen – dem Kampf zwischen den Bürgern der Stadt und dem Erzbischof. Obwohl dieser seit der Schlacht von Worringen 1288 und besonders nach der Verleihung des Reichsstadtsprivilegs von 1475 keine Macht mehr über die freie Reichsstadt hatte, versuchten die Erzbischöfe immer wieder, diese neu zu erlangen. So verwundert es nicht, daß sich die Kölner in der Rolle eines Davids sahen, welcher den übermächtigen Riesen Goliath besiegt hat und über diesen letztendlich triumphiert.

R. Wagner