1963 Ausstellung "Monumenta Judaica"

Bild der 41. Woche - 14. Oktober bis 20. Oktober 2013

Blick in die Ausstellung "Monumenta Judaica", Köln 1963: Eine Aufnahme aus dem synagogalen Bereich der Ausstellung mit Ewigem Licht, Toraschrein und Vorbeterpult

Blick in die Ausstellung "Monumenta Judaica", Köln 1963

Blick in die Ausstellung "Monumenta Judaica", Köln 1963: Thoravorhänge

„Obwohl sich die christlichen Bürger und die Stadtverwaltung an den von ihnen ermordeten Juden gründlich bereichert hatten, schmückten sie doch den Hansesaal ihres Rathauses mit den Propheten eben dieser Juden.“ (Konrad Schilling, S. 55, Nachweis. s. TIPP).

Konrad Schilling spricht in seiner Bilanz der Ausstellung „Monumenta Judaica“ nicht von der Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus, sondern von dem Kölner Pogrom am 23. und 24. August des Jahres 1343, als das Judenviertel in Brand gesetzt und die meisten seiner Bewohner umgebracht wurden, weil man sie verdächtigte, die Brunnen vergiftet und so die Pest verschuldet zu haben. Das vorläufige Ende einer jüdischen Gemeinde in Köln erfolgte 1424, nachdem der Rat der Stadt ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht mehr verlängert hatte. Fortan siedelten sich die Kölner Juden in Deutz an. Erst durch die Liberalisierung der Gesetzgebung durch die Franzosen und damit auch die Religionsfreiheit, fand eine erste jüdische Gemeinde ihre neue Heimat in Köln in der Glockengasse, wo auch die erste neuzeitliche Synagoge am 29. August 1861 eingeweiht wurde. Gestiftet von Abraham Oppenheim und nach einem Entwurf des Kölner Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner realisiert, entstand ein prunkvoller Bau im neo-islamischen Stil, dessen zwiebelturmbekrönte Kuppel sich markant im Stadtbild präsentierte.

Wie die Synagoge in der St. Apernstraße wurde auch sie während des Pogroms im November 1938 teilweise zerstört und danach auf Kosten der Synagogengemeinde abgetragen. Nur die Synagoge in der Roonstraße blieb als Ruine bestehen und wurde bis 1959 wieder aufgebaut.

Mit den Deportationen der Kölner Juden endete das jüdische Leben in Köln, das seit dem Jahr 321 durch ein Privileg Kaiser Konstantins bezeugt war.

Es war den Veranstaltern der am 14.10.1963, also vor 50 Jahren eröffneten Ausstellung "Monumneta Judaica" ein besonderes Anliegen, die kulturellen Gemeinsamkeiten der jüdischen und christlichen Kultur herauszustellen, wobei eben die Geschichte der Ausgrenzung und Vernichtung der Juden ausdrücklich miteinbezogen werden sollte.
Ein anderes Ziel war, die wirtschaftliche und rechtliche Entwicklung der jüdischen Gemeinden im gesamten Rheingebiet nach zu zeichnen, wie die politische Abhängigkeit von obrigkeitlich gewährten Schutzrechten (z. B. keine gewaltsame Taufe, ordentliche Gerichtsverfahren oder keine Schändung der jüdischen Friedhöfe) darzustellen.

Bemerkenswert bei der wirklich ‚monumentalen’ Ausstellung mit über 2.238 Objekten (und weiteren Karten, Plänen und Tafeln) war die Fläche von gut 2.000 m2. Da es in Köln zu der Zeit keine zusammenhängenden ausstellungsgeeigneten Räumlichkeiten dieses Formats gab, wurden zu diesem Anlass zwei Museen ausgeräumt: das Kölnisches Museum im Zeughaus und das damals in der anschließenden sogenannten ‚Alten Wache’ untergebrachte Römisch-Germanische Museum.

In der Abteilung „Das jüdische Jahr“ wurde versucht, den Besuchern jüdischen Ritus und Lebensweise zu vermitteln, wie z. B. das Pessach-Fest, bei dem die Juden den Auszug aus Ägypten festlich begehen.
Drastisch boten die Ausstellungsmacher auch ein zu der Zeit noch im wesentlichen unausgesprochenes Thema dar, die Zeit der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Als Exponate wählten sie u. a. Deportationslisten, ein Bild von Vergasten, sowie diskriminierende Plakate und schikanöse Anordnungen. So sollte eindringlich an die Zeit erinnert werden, die ein Gutteil der Besucher auch als Zeitgenossen erlebt hatten.

Die Schau erreichte in fünf Monaten Laufzeit (15.10.1963-15.3.1964) eine Zahl von 114.450 Besuchern, was auf den ersten Blick bescheiden anmuten mag, angesichts der anspruchsvollen Ausstellungsthematik rückblickend aber als Erfolg betrachtet werden kann.

P. S. Die dekorativen Tannenzweige neben dem Tora-Schrein sollen übrigens weder das jüdische Laubhüttenfest, noch das christliche Weihnachten symbolisieren: sie markieren die Ruheplätze für die ‚fußmüden’ Besucher.

B. Alexander