Ein Kölner in Paris

Bild der 45. Woche - 11. November bis 17. November 2013

Johann Anton de Peters Huldigung an Gluck, 1775/1779, Detail: Büste Christoph Glucks Unten links Ausschnitt aus einem Gemälde von J. S. Duplessis, 1775 (Kunsthistorisches Museum, Wien)

Johann Anton de Peters ist nicht nur ein in Köln geborener Maler, er ist auch einer derjenigen Künstler, die im Kölner Wallraf-Richartz-Museum am zahlreichsten mit eigenen Werken vertreten sind. Das Inventar zählt 8 Gemälde, 22 druckgraphische Blätter und 162 Zeichnungen. Das kleine Wörtchen "de" in seinem Namen verrät uns, daß Johann Anton de Peters adelig war. Auch wenn er in der berühmten Sternengasse geboren wurde, in der Straße, in der Peter Paul Rubens, die Jabachs, Maria von Medici und Wilhelm Leibl lebten oder geboren wurden (s. hierzu BdW 18/2000), so war er dennoch nicht adelig von Geburt. Die Erhebung in den - französischen - Adelsstand wurde ihm vielmehr mit etwa 38/39 Jahren nach einer ansehnlichen Karriere in Paris verliehen.

In den ersten Tagen des Jahres 1725 geboren, erhielt Johann Anton bereits bei seinem Vater der Schreibmeister und Miniaturmaler war, eine erste Ausbildung. Mit etwa 19 Jahren nahm ihn ein französischer Maler, der seine Werke bei einem Besuch im Elternhaus gesehen hatte, mit nach Paris. In dieser Zeit wurde er Hofmaler des Prinzen Karl Alexander von Lothringen. Ob er stets in Paris blieb oder zwischenzeitlich auch in Brüssel arbeitete, ist unklar. Seit 1768 nannte sich de Peters - mittlerweile geadelt und mit der Tochter eines Parlamentariers verheiratet - auch Hofmaler Christians VII., des Königs von Dänemark. Als geschätzter und geschäftstüchtiger Maler im Kreise künstlerischer Freunde, als Sammler, Kunsthändler und Mitinhaber einer Leihanstalt für Musikalien mit angeschlossenem Musikverlag ging es de Peters jahrelang gut.

Waren es bereits finanzielle Schwierigkeiten, die de Peters 1779 bewogen, seine umfangreiche Kunstammlung zur Versteigerung zu bringen? 1785 nach dem Tode seiner Frau kam es zu einem weiteren Versteigerungstermin. Die Revolution machte dem wohlsituierten Leben Johann Anton de Peters in Paris schließlich vollständig ein Ende. Er verarmte und geriet durch seine Kontakte zum Adel und seinen eigenen Titel sogar in Lebensgefahr. 1791 kehrte er noch vor der Hinrichtung des Königs nach Köln zurück und wohnte dort bei seiner Schwester in der Sternengasse. Es war aber auch keine gute Zeit, nach Köln zurückzukehren. Die Stadt selbst stand wirtschaftlich schlecht da. Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts muß man bis zu ein Drittel der Bevölkerung Kölns als Bettler einstufen. So konnten die wenigen Aufträge, die De Peters in Köln erhielt, und sein Versuch, mit Kupferstichen und Zeichnungen zu handeln, ihn kaum ernähren. Arm und krank starb er am 6. Oktober 1795.

Das hier gezeigte Gemälde von Johann Anton de Peters entstand wohl zwischen 1775/1779 und trägt den Titel "Huldigung an Gluck", ist also dem Komponisten Christoph Willibald Gluck (1714 - 1787) gewidmet. Am rechten Rand des Bildes (s. kleines Bild) ist eine Büste des Musikers zu sehen, zu dessen Verehrern de Peters in Paris zählte und der einen Teil seiner Opern im Musikverlag des Malers, dem Bureau d’Abonnement musical, verlegen ließ. Die Skulptur ist keine malerische Erfindung De Peters, sondern wurde von ihm nach der 1774/75 modellierten Büste des Bildhauers Antoine Houdon gemalt. Man kann sich gut vorstellen, daß dieses nicht besonders große Bild aus einer aktuellen geschichtlichen Situation heraus entstanden ist. So vermutet man in der Laute spielenden Frau ein Porträt der Sängerin Rosalie Levasseur (1749 - 1826) und in die vermutlichen Entstehungszeit des Bildes fiel der Streit zwischen den Anhängern des Opernreformers Glucks und denjenigen der italienischen Operntradition. Das Bild war also auch einmal "aktuelle Kunst".

T. Nagel