Köln goes Underground

Bild der 37. Woche - 16. bis 22. September 2013

Hansherbert Wirtz (1929-2011), U-Bahn-Bauarbeiten in der Zeughausstraße 20.9.1963, Fotografie auf Papier, 21,5 x 16,5 cm, Köln, Kölnisches Stadtmuseum

Die hier abgebildete Fotografie von Hansherbert Wirtz (von 1955-1994 Fotograf der Kölnischen Rundschau) zeigt die Zeughausstraße am 20. September 1963 von Westen, im Hintergrund sieht man die Alte Wache und den historischen Treppenturm des Zeughauses. Hunderte Bauarbeiter, Schaulustige und Passanten umringen die Baugrube, die parallel zur Römermauer auf dem heutigen Gebiet des Parkplatzes der Bezirksregierung verläuft. Mithilfe eines Krans wird hier gerade ein I-Stahlträger in den Boden gerammt. Die Träger dienten der Stabilisierung des Erdreichs und der Tunnelröhre während des Baus und wurden später wieder entfernt. Mit diesem ersten Bauabschnitt suchte man sich auch gleich einen recht komplizierten aus, denn die unterirdische Strecke unterkreuzt hier die fragilen Überreste der Römermauer diagonal. Während die Zeughausstraße selbst nicht angetastet wurde, riss man die Straße Burgmauer auf der anderen Seite der Römermauer für die Arbeiten völlig auf. Bei den Grabungen wurden etliche historische Zeugnisse gefunden, da sich hier der Graben der antiken Stadtbefestigung befindet. Auf dem Bauabschnitt, der vom Appellhofplatz zum Hauptbahnhof führt, legte man später auf Höhe der Nord-Süd-Fahrt einen noch heute zu besichtigen Teil eines römischen Befestigungsturmes frei. Die Eröffnung des ersten 1,4 km langen Teilabschnitts (Friesenplatz - Appellhofplatz/Zeughaus – Dom/Hauptbahnhof) erfolgte nach fünfjähriger Bauzeit am 11. Oktober 1968. Ab 13.30 Uhr wurde die Strecke für die Allgemeinheit geöffnet. Die Kölnische Rundschau berichtete, dass in den ersten 15 Minuten schon 5.500 Menschen begeistert die neue U-Bahn nutzten und weiter: „Ein Hauch von Großstadt wehte über die Menge: Die erste planmäßige U-Bahn in der Geschichte Kölns sollte um 13.39 Uhr vom Dom in Richtung Friesenplatz fahren.“ Die Fertigstellung der anderen Teilabschnitte in der Innenstadt dauerte zwei weitere Jahre. Damit war das Projekt trotz der Wirtschaftsflaute 1966 mit nur zweijähriger Verspätung realisiert worden. Das Resultat: Schon bald berichteten die Kölner Zeitungen über eine Zunahme an Fahrgästen und die Fahrzeit wurde drastisch reduziert. So brauchte man vom Barbarossaplatz bis zum Hauptbahnhof nur noch fünf statt zuvor vierzehn Minuten und auch auf der Strecke zwischen Christophstraße und Hauptbahnhof konnten vier Minuten eingespart werden. Wichtiger noch: Die Straßen der Kölner Innenstadt wurden mit dem Beginn des U-Bahn-Betriebs deutlich entlastet.

S. Pries