Ein Glas aus Köln

Bild der 31. Woche - 5. Juli bis 11. August 2013

Köln, drittes Viertel des 17. Jhs., Flügelglas (Stengelglas), graviert von Peter Wolf, Höhe: 26,5 cm, Köln, Museum für Angewandte Kunst Köln, Inv.-Nr. F 3
Detail des Stengelglases: Stadtkölnische Wappen
Detail des Stengelglases: Wappen der Familie von Salm

Nachdem in den letzten Bilder der Woche bereite Gläser aus unterschiedlichen Epochen und Kulturen vorgestellt wurde (s. BdW 28/2013, 29/2013 und 30/2013) soll in diesem Bilder der Woche nocheinmal ein Objekte der Glaskunst vorgestellt werden. Trotz der wachsenden Bewunderung der venezianischen Produkte brachte das 16. Jahrhundert für die in Deutschland bestehenden Waldglashütten keine tiefgreifende Änderung der Formensprache. Schon allein Form und Größe der deutschen Trinkgefäße mußten jeden Vergleich mit den venezianischen Gläsern absurd erscheinen lassen. So ist es nicht verwunderlich, dass es neben den Waldglashütten mit ihren derberen Produkten im 16. und 17. Jahrhundert zu zahlreichen neuen Glashüttengründungen kam, welche die immer drängendere Nachfrage nach venezianischen Gläsern zu befriedigen suchten. Eine dieser Werkstätten hatte ihren Sitz in Köln und das Museum für Angewandte Kunst Köln besitzt ein Flügelglas, welches sich aufgrund der eingeritzten Wappen in diese lokalisieren läßt. Die Kölner Glashütte wurde im Jahre 1607 in der Severinstraße errichtet und ging wahrscheinlich auf einen niederländischen Glasbläser zurück. Schon 1609 wurde sie von Italienern übernommen. Auch wenn das Unternehmen bereits 1611 eingegangen zu sein scheint, so hatte seine Produktion jedoch bereits die Antwerpener Manufaktur Gridolfi zur Klage über die Konkurrenz veranlasst. Auch wenn die Zuschreibung an diese Kölner Glashütte nicht absolut sicher ist, so läßt sich keine weitere Kölner Glashütte finden, aus der dieses hier gezeigte Flügelglas stammen könnte. Ferner legt die etwas steife, gedrungene Form der Kuppa eine Herstellung zu Beginn des 17. Jahrhunderts nahe. Die Dekoration des Glases (die beiden mit Diamanten gerissenen Wappen mit Greif und Löwe) sind wohl als spätere Zutat aufzufassen. Hierfür spricht auch die Tatsache, daß die sonst an den Flügelgläsern üblichen Vogelköpfe zu seiten des Schafts nachträglich abgetrennt zu sein scheinen. Da zwischen 1666 und 1677 die Tätigkeit des Diamantgraveurs Peter Wolf im Kölner Raum durch verschiedene Arbeiten bezeugt ist, deren Stil ganz mit dem unseres Glases übereinstimmt, ist eine Zuschreibung an ihn möglich. Nicht eindeutig ist das Wappen des Auftraggebers (s. Bild rechts) zuzuordnen. Entweder handelt es sich um den erst 1748 gestorbenen Johann Peter von Salm, der Ratsherr und Stimmeister der Stadt Köln war, oder um seinen Vater Henricus von Salm. Dieses Objekt in www.kulturelles-erbe-koeln.de

T. Nagel