Platz auf dem Platz

Bild der 5. Woche - 28. Januar bis 3. Februar 2013

Alberto Giacometti , Place (Composition avec trois figures, une tete), 1950, Bronze, 56,2 x 56 x 42,5 cm, Museum Ludwig, ML 1298

Die Skulptur “Place (Platz) mit drei Figuren und einem Kopf“ zählt zu jenen Werken Alberto Giacomettis (1901-1966), deren Motive sich auf einer Standplatte entfalten, die von ähnlich raummarkierender Bedeutung ist wie seine Käfigkonstruktionen. Giacomettis Place ist der Ort eines imaginären sozialen Prozesses, wobei sein Raum von den schlanken Figuren geprägt wird, die der Bildhauer so wiedergibt wie er die Menschen auf der Straße oder im Café wahrnimmt. Bezüglich seiner spezifischen Wahrnehmung schrieb der Künstler 1947 an den New Yorker Galeristen Pierre Matisse: „Doch als ich das Geschaute aus dem Gedächtnis schaffen wollte, wurden die Plastiken zu meinem Schrecken immer kleiner und kleiner. Ähnlichkeit war nur noch da, wenn sie sehr klein waren; dennoch empörten mich ihre Dimensionen, und unermüdlich begann ich wieder und wieder (…).“, und nachdem Giacometti ein wenig zeichnete, ergab sich zu seiner Überraschung, „daß sie nur ähnlich wurden, wenn sie lang und dünn waren.“ Die beinahe körperlosen Figuren wirken nicht auf den Platz aufgesetzt, vielmehr brechen sie gleichsam eruptiv aus seiner Fläche hervor, verbunden mit seiner spezifischen Materialität. Später erkannte Giacometti, daß die Ausdehnung einer Figur die räumliche Beziehung zwischen Betrachter und Figur nicht grundlegend ändert, weshalb „auch die langgezogenen Figurinen (…) einer greifbaren Wirklichkeit gleichsam fern und entrückt“ (Adam C. Oellers) erscheinen.

Museum Ludwig