Der Arzt und sein Maler

Bild der 33. Woche - 18. bis 24. August 2008

Otto Dix Bildnis Dr. Hans Koch, 1921 Collage und Öl auf Leinwand, 100,5 x 90 cm Köln, Museum Ludwig ML 76/02739, Sammlung Haubrich

Für Auftraggeber war der 1891 in Untermhaus, einem Stadtteil von Gera, geborene Otto Dix kein einfacher Maler. So musste sich auf Etwas gefasst machen, wer sich von ihm porträtieren ließ. Dix verzichtete nicht nur auf jegliche Idealisierung, sondern überzeichnete zugleich das Vorhandene. So auch im Bildnis Dr. Hans Koch. Die Reaktion des Porträtierten auf das fertige Gemälde ist nicht überliefert. Ein "gutes Verhältnis" zum eigene Bild sieht jedoch anders aus: Bereits nach zwei Jahren veräußerte Dr. Koch das Gemälde über den Galeristen Karl Nierendorf an den Kölner Rechtsanwalt und Kunstsammler Joseph Haubrich. Mit Sicherheit spielte hierbei auch eine Rolle, dass seine Frau Martha ihn zu diesem Zeitpunkt verlassen hatte, um Otto Dix zu heiraten. Dargestellt ist der Düsseldorfer Urologe und Dermatologe Dr. Hans Koch in seiner Praxis. Mit weißem, offenem Kittel steht er dem Betrachter frontal gegenüber und hält mit hochgekrempelten Ärmeln dem Betrachter eine Spritze und ein Katheter entgegen. Unrasiert und mit vernarbten Schmissen im Gesicht, starrt er verwirrt durch einen Kneifer. Hinter ihm steht der (noch) unbesetzte Untersuchungsstuhl sowie weitere bereitliegenden Utensilien: alle metallisch, kalt, bedrohlich. Dabei wirkt das Szenario um so beklemmender als Dix es in altmeisterlicher Manier ausführte. Sorgsam trug er die Farbe in dünnen fast transparenten Schichten auf. Hervorragend gelingt ihm die Wiedergabe des metallenen Charakters der Geräte. Bis ins Detail gibt Dix die einzelnen Materialen und Texturen wieder. Fast meint man, die Geräusche zu hören, die durch das Ablegen der Instrumente auf der Glasplatte verursacht werden. Zu seiner Bildnismalerei erklärte Dix: "Porträtmalen wird heute von den Modernen für eine subalterne künstlerische Beschäftigung gehalten; dabei ist es eine der reizvollsten und der schwersten Arbeiten für einen Maler. ... Jeder Mensch hat seine ganz spezielle Farbe, die sich auf das ganze Bild auswirkt. ... Das Wesen jedes Menschen drückt sich in seinem 'Äußeren' aus; das 'Außen' ist Ausdruck des 'Inneren', d. h. Äußeres und Inneres sind identisch".

Museum Ludwig