Olympisches Bier?

Bild der 31. Woche - 4. bis 10. August 2008

Eine (leere) Flasche Tsingtao-Beer Köln, Kölnisches Stadtmuseum

Eines der wenigen Mementi, die an die kurze deutsche Kolonialzeit in China erinnern, ist diese (leere) Flasche Bier. Als das deutsche Reich die Ermordung zweier katholischer Missionare zum Anlass nahm, ein ostasiatisches Expeditionskorps der Reichsflotte zu entsenden, um Reparationsforderungen durchzusetzen, endeten die Kriegshandlungen im Vertrag von 1898, in dem das Hafenstädtchen Tsingtau auf 99 Jahre dem Deutschen Reich zur Pacht zugesprochen wurde. Die alsbald blühende Stadt verfügte neben einem Handels- und Marinehafen, Eisenbahnanschluss, Schulen, Universität, Kirchen, Krankenhaus, der Residenz des deutschen Gouverneurs auch über eine Brauerei, in der mit deutschem Knowhow und deutschen Maschinen Bier hergestellt wurde. Auch wenn einiges davon den Kriegen oder allgemeinem Verfall anheimfiel, die Brauerei - dieser Tage in Besitz der VR China - existiert immer noch (s. http://www.tsingtaobeer.com; s.a. http://einestages.spiegel.de/external/ShowTopicAlbumBackground/a2045/l9/l0/F.html) Auch in Köln fanden die Vorgänge in China lebhaftes Interesse, wie etliche Artikel in der "Kölnischen Volkszeitung’ belegen. Diese reflektieren die katholisch-konservative Haltung des Zentrumspolitikers, Mitglied des Reichstags und Herausgebers, Dr. jur. Carl Bachem. Ihm war an der katholischen Mission in China, besonders durch die "Steyler Missionsgesellschaft" unter Bischof Johann Baptist Anzer und auch der freien Religionsausübung der missionierten Chinesen gelegen. Anzer war es, der aufgrund seiner Landeskenntnisse dem Deutschen Reich Tsingtau, die größte Hafenstadt der Provinz Schantung, am Eingang zur Kiautschou Bucht gelegen, als geeignet vorschlug, die deutschen Handelsinteressen umzusetzen. Gleichzeitig gelang es ihm, den eigenen Einflussbereich auszuweiten und die Protektion des Deutschen Reichs, bzw. seiner Truppen in Anspruch zu nehmen. Ein Thema, das daheim in den Reichstagsverhandlungen lebhafte Diskussionen auslöste und August Bebel, den Abgeordneten der Sozialisten, zum Widerspruch reizte: "Wogegen ich aber protestirt habe und noch heute protestire, das ist die Verquickung von Mission und Politik." (Reichtagsverhandlungen, 48. Sitzung, 13.2.1901). Nicht, dass sein Protest erfolgreich gewesen wäre. Kaum einen Monat später konstatierte Carl Bachem in einem Brief mit einer gewissen Lakonie: "Debatte über Kiautschou gestern ohne Sang & Klang erledigt, da Bebel abwesend" Heute mit dem Staatssecretär des A.(auswärtigen) A.(mtes) Frhrn. V. Richthofen ausführlich über die Entschädigung der chines. Christen in Süd-Schantung gesprochen; die Entschädigung der Missionen selbst betrachte ich als selbstverständlich. Letzteres gab er zu…" (Bachem an Pater Schwager; Berlin, 8.3.1901). Und so kam es auch. Den Chinesen wurde ein sogenanntes "Sühnegeld" abverlangt, was zum Immobilienerwerb und Bau neuer Missionskirchen verwendet werden sollte. In wenigen Tagen wird Tsingtau wieder ins allgemeine Bewußtsein gelangen, dort liegen die Austragungsorts der Olympischen Segelwettbewerbe.

B. Alexander